Bewerbung für die Ausbildung: Anschreiben-Muster
Der Ausbildungsplatz ist frei, aber dein Anschreiben liest sich wie eine Aufzählung von Adjektiven, und genau deshalb landet es unten im Stapel. Betriebe entscheiden in wenigen Sekunden, ob sie weiterlesen. Diese Sekunden gewinnst du mit konkreten Gründen, warum du diesen Beruf lernen willst und warum ausgerechnet bei ihnen.
Was Betriebe wirklich lesen wollen#
Niemand erwartet von dir eine perfekte Lebensplanung. Aber drei Dinge musst du beantworten: Warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, und was bringst du schon mit.
Motivation für genau diesen Beruf ist der wichtigste Punkt. Nicht "Ich möchte mich persönlich weiterentwickeln", sondern "Ich möchte Kaufmann für Büromanagement werden, weil mir Ordnung in Zahlen Spaß macht und ich im Schulbüro beim Verteilen der Post und beim Vorbereiten von Klassenarbeiten gesehen habe, wie viel Organisation dahintersteckt". Das ist glaubwürdig. Das andere ist Füllmaterial.
Praktika sind Gold wert, auch wenn sie nur zwei Wochen gingen. Schreib rein, was du dort gemacht hast, nicht wie du dich gefühlt hast. Ein Satz wie "Im Praktikum beim Malerbetrieb habe ich Flächen vorbereitet und Material bestellt" sagt mehr als drei Zeilen über Teamfähigkeit.
Passende Schulfächer nennst du mit einer Begründung. Mathe mit einer 3 ist kein Argument, Mathe mit "mir liegen Prozentrechnung und Dreisatz, das brauche ich beim Kalkulieren von Angeboten" schon. Und Hobbys mit Bezug wirken: Schachverein zeigt Konzentration, ein eigener Blog zeigt, dass du Texte schreiben und veröffentlichen kannst, Pfadfinder zeigt Verantwortung für Jüngere.
Mein Rat: Streich jedes Adjektiv, das du nicht mit einer Situation belegen kannst. Fleißig, motiviert, teamfähig. Weg damit. Der Personaler liest das zwanzigmal am Tag und glaubt es niemandem mehr.
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So ist das Anschreiben aufgebaut#
Die Reihenfolge ist immer gleich, das macht es leicht.
Kopf mit deinen Kontaktdaten, dem Betrieb und dem Datum. Dann die Anrede, und hier gilt: Namen raussuchen. "Sehr geehrte Damen und Herren" wirkt, als hättest du dich nicht gekümmert. Steht auf der Website der Ausbildungsleiter, ruf an und frag nach. Eine Minute Arbeit, ein großer Unterschied.
Erster Absatz: Um welchen Ausbildungsplatz geht es, ab wann, und woher weißt du von der Stelle. Ein Satz, kurz.
Zweiter Absatz: Warum dieser Beruf. Konkret, mit einer Situation aus der Schule, einem Praktikum oder einem Hobby.
Dritter Absatz: Warum dieser Betrieb. Hier reicht oft ein ehrlicher Satz. "Ihr Betrieb bildet seit Jahren aus, und im Praktikum bei meinem Nachbarn habe ich gehört, dass ihr Lehrlinge ernst nehmt" ist besser als eine aufgeblumte Firmenbeschreibung, die du von der Website kopiert hast.
Vierter Absatz: Was du mitbringst, Zeugnisse, Praktika, und der Hinweis, dass alle Unterlagen beiliegen. Dann die üblichen Grußformeln.
Maximal eine Seite. Immer. Wenn dein Anschreiben zwei Seiten braucht, ist dein Inhalt noch nicht scharf genug.
Muster: kaufmännische Ausbildung#
Für eine Ausbildung als Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement könnte dein zweiter Absatz so aussehen:
Im Schulsekretariat habe ich drei Monate ausgeholfen: Anrufe angenommen, Termine in den Kalender eingetragen und Post vorbereitet. Dabei ist mir klar geworden, dass mir genau diese Arbeit liegt, strukturiert, mit Zahlen und mit Menschen. Mathe und Deutsch sind meine stärksten Fächer, und ich möchte lernen, wie Rechnungen, Angebote und Personalunterlagen in einem Betrieb zusammenhängen.
Das funktioniert, weil es eine echte Situation zeigt, eine Entscheidung benennt und Bezug zum Beruf herstellt. Keine Behauptungen, nur Fakten, die man nachfragen kann.
Wenn du noch kein Praktikum in dem Bereich hattest, nimm etwas anderes: einen Nebenjob, ein Schulprojekt, eine Aufgabe im Verein. Noten allein überzeugen keinen Betrieb, Kontext schon.
Muster: handwerkliche Ausbildung#
Für eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker, zur Elektronikerin oder in einem anderen Handwerksberuf brauchst du einen anderen Ton. Hier zählt, dass du zeigst, du hast schon was mit deinen Händen gemacht.
In den Ferien habe ich mit meinem Onkel den Carport gestrichen und dabei gelernt, wie wichtig saubere Vorbereitung ist: abkleben, schleifen, Werkzeug pflegen. Ich möchte Anlagenmechaniker werden, weil ich sehen will, wie aus Einzelteilen etwas Funktionierendes wird, und weil ich lieber praktisch arbeite als den ganzen Tag am Schreibtisch.
Drei Sätze, drei konkrete Dinge. Wenn du bastelst, Motorrad schraubst oder im Garten eine Mauer gesetzt hast, schreib es rein. Handwerksbetriebe wollen sehen, dass du anpackst und dass du nicht nach zwei Wochen staubiger Arbeit abbrichst.
Ein Hinweis zur Sprache: Bleib bei "ich", nicht bei "wir". "Wir haben den Carport gestrichen" lässt offen, was du gemacht hast. "Ich habe gestrichen" ist klar.
Wo du den Ausbildungsplatz suchst#
Die wichtigste Anlaufstelle ist die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, dort stehen die meisten Ausbildungsstellen, auch von kleinen Betrieben, die sonst nirgends werben. Danach kommen die Lehrstellenbörsen von IHK und Handwerkskammer in deiner Region, die sind oft besser sortiert als man denkt.
Wenn du einen bestimmten Betrieb im Kopf hast, geh direkt auf die Firmenwebsite. Viele große Betriebe suchen ihre Azubis ein Jahr im Voraus, kleinere oft erst im Sommer vor dem Start. Frag im Zweifel einfach nach, wann die Bewerbungsphase losgeht. Und schau regelmäßig in die aktuelle Stellenangebote, weil Ausbildungsplätze schnell vergeben sind und nicht lange online stehen. Für eine gezielte Suche in Deutschland helfen dir die Jobs in Deutschland mit Filtern nach Ort und Beruf.
Deine Unterlagen auf einen Blick#
Bevor du abschickst, geh die Liste durch. Fehlt eine Sache, wirkt das nachlässig, und bei Ausbildungsplätzen konkurrierst du mit vielen anderen.
- Anschreiben, eine Seite, mit korrekter Anrede und Ansprechpartner
- Lebenslauf, übersichtlich, mit Foto (in Deutschland und Österreich üblich, in der Schweiz wird es erwartet, aber nicht überall verlangt)
- Letzte Zeugnisse, mindestens das letzte Halbjahreszeugnis, besser die letzten zwei
- Praktikumsbescheinigungen, falls vorhanden
- Nachweise über Nebenjobs, Ehrenämter oder Kurse, wenn sie zum Beruf passen
- Eine saubere Datei als PDF, mit deinem Namen im Dateinamen, nicht "bewerbung_final2.pdf"
Bevor du den Lebenslauf verschickst, lass ihn vom kostenlosen ATS-Check laufen. Auch wenn Ausbildungsbewerbungen oft noch in Papier oder per Mail ankommen, größere Betriebe digitalisieren ihre Bewerbungen zunehmend, und ein sauber strukturierter Lebenslauf wird überall besser gelesen.
Das Anschreiben für ein Praktikum#
Vielleicht willst du vor der Ausbildung erst ein Praktikum machen, um sicherzugehen, ob der Beruf passt. Das ist klug. Die Struktur vom Ausbildungsanschreiben funktioniert da fast genauso, nur dass du den Wunsch nach einer Ausbildung durch den Wunsch nach Einblick ersetzt. Wie das geht, steht in der ausführlichen Anleitung zur Praktikumsbewerbung, mit Mustern für Schülerinnen und Schüler.
Häufige Fragen#
Wie lang darf das Anschreiben bei der Ausbildung sein?
Eine Seite, Punkt. Alles darüber ist zu viel, weil der Betrieb bei Bewerbungen für Ausbildungsplätze oft viele Anschreiben am selben Tag liest und sich nur die anschaut, die schnell zum Punkt kommen.
Brauche ich ein Foto auf dem Lebenslauf?
In Deutschland und Österreich ist ein Foto üblich, in der Schweiz wird es erwartet, aber nicht überall verlangt. Ein professionelles Bewerbungsfoto beim Fotografen kostet nicht viel und sieht besser aus als ein Selfie vom letzten Schulfest.
Was mache ich, wenn ich noch kein Praktikum gemacht habe?
Dann nimm eine andere konkrete Situation: einen Ferienjob, eine Aufgabe im Verein, ein Schulprojekt oder ein Hobby, das du ernsthaft betreibst. Wichtig ist, dass du eine echte Tätigkeit beschreibst, keine Eigenschaften behauptest.
Soll ich im Anschreiben nach dem Gehalt fragen?
Nein. Die Ausbildungsvergütung variiert je nach Beruf, Betrieb, Region und Tarifvertrag, und die genauen Sätze stehen im Ausbildungsvertrag oder im jeweils gültigen Tarifvertrag. Wenn du wissen willst, was üblich ist, frag bei der IHK oder Handwerkskammer nach und schau in die offiziellen Quellen.
Wann sollte ich mich bewerben?
Große Betriebe suchen oft ein Jahr im Voraus, kleinere starten später, und manche suchen auch kurzfristig, wenn jemand abspringt. Frag im Zweifel im Betrieb nach, wann die Bewerbungsphase beginnt, statt dich auf eine pauschale Frist zu verlassen.
Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.