Referenzen in der Bewerbung: wann und wie angeben

JobRise Team6 min read

Du weißt nicht, ob du Referenzen in die Bewerbung schreiben sollst, und hast Angst, mit der falschen Angabe zu punkten. Gute Nachricht: In Deutschland zählen Arbeitszeugnisse. Referenzen sind die Ausnahme.

Wann Referenzen überhaupt gefragt sind#

In Deutschland liest die Personalabteilung dein Arbeitszeugnis. Punkt. Eine Referenzliste kommt meistens erst ins Spiel, wenn du dich bei einer internationalen Firma bewirbst, in der Schweiz arbeitest oder eine Führungsrolle anstrebst.

In der Schweiz sind Referenzen deutlich verbreiteter als bei uns, viele Unternehmen dort rufen beim letzten Arbeitgeber an, bevor sie den Vertrag schicken, und wenn du dich über die Jobs in Deutschland hinaus bewirbst, solltest du damit rechnen. Anders gesagt: Der Anruf kommt.

Mein Rat: Bau keine Referenzliste proaktiv in die Bewerbung ein. Schreib stattdessen "Referenzen auf Anfrage" auf die letzte Seite des Lebenslaufs. Das signalisiert Professionalität, ohne Kontaktdaten von Menschen preiszugeben, die davon vielleicht nichts wissen. Sauber. Unauffällig.

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Wen du fragen solltest#

Der ehemalige Vorgesetzte ist die erste Wahl, aber nicht der einzige, denn ein Projektleiter, der dich zwei Jahre lang begleitet hat, gibt oft bessere Auskunft als ein Abteilungsleiter, der dich nur flüchtig kannte. Das ist der Fang.

Denk in Kategorien: Wer kann konkret zu deiner Arbeit sprechen? Wer hat Ergebnisse gesehen, die du im Lebenslauf behauptest? Wer nimmt den Anruf in zwei Wochen noch an?

Gute Kandidaten sind meistens:

  • dein direkter Vorgesetzter aus den letzten drei Jahren
  • ein Kunde oder Partner, mit dem du eng zusammengearbeitet hast
  • ein Kollege auf Augenhöhe, wenn es um Teamarbeit geht
  • jemand aus deinem Netzwerk, der deine heutige Leistung kennt

Schlechte Kandidaten: der Chef, der dich gehen lassen hat und gekränkt ist. Die Kollegin, mit der du im Clinch lagst. Der Referenzgeber, der seit fünf Jahren nicht erreichbar ist. Vergiss die.

Wie du fragen: Mustertext#

Frag nie einfach nur "Kannst du Referenzgeber sein?". Das ist zu unverbindlich. Schreib eine konkrete Bitte, mit Kontext und Zeitrahmen. Hier ein Text, den du anpassen kannst:

Hallo Frau Müller,

ich bewerbe mich derzeit auf eine Position als Projektleiterin bei einem internationalen Unternehmen. Im Prozess wird eine Referenz zu meiner Arbeit bei der XY GmbH angefragt.

Wärst du bereit, als Referenzgeberin zur Verfügung zu stehen? Konkret ginge es um eine kurze telefonische Auskunft zu unseren gemeinsamen Projekten 2022 bis 2024, vermutlich im Zeitraum der nächsten zwei Wochen.

Ich würde dir vorab die Stellenbeschreibung schicken, damit du weißt, worauf es ankommt. Sag gern Bescheid, wenn das für dich passt oder wenn du Fragen hast.

Viele Grüße Dein Name

Der Satz mit der Stellenbeschreibung ist der wichtigste, denn ohne den bekommt dein Referenzgeber eine unvorbereitete Anfrage und redet im Blauen hinein, was dir niemand dankt. Baue ihn ein.

Referenzgeber richtig vorbereiten#

Nach dem Ja ist die Arbeit nicht getan. Dein Referenzgeber braucht drei Dinge: die Stellenanzeige, deinen aktuellen Lebenslauf und einen Hinweis, welche Aspekte betont werden sollen.

Gib ihm auch eine kurze Notiz, was du selbst über die Rolle weißt, damit seine Auskunft konsistent mit dem klingt, was du im Gespräch sagst, denn Widersprüche kosten dich die Stelle. Bitter. Teuer.

Vorher klären:

  • Wer ruft an, und wann ungefähr?
  • Dürfen Namen und Kontaktdaten weitergegeben werden?
  • Gibt es Themen, die nicht angesprochen werden sollen?
  • Bleibt der Referenzgeber in sechs Monaten noch bei derselben Firma?

Hol dir das Einverständnis, bevor du den Namen irgendwo angibst, denn ohne Zustimmung riskierst du nicht nur verbrannte Beziehungen, sondern auch, dass die Auskunft ins Leere läuft und du dastehst. Immer zuerst fragen.

Wo du die Referenzen angibst#

Drei Varianten, in der Reihenfolge der Beliebtheit:

Referenzen auf Anfrage. Das ist der Standard. Eine Zeile am Ende des Lebenslaufs, mehr nicht. Sauber, unauffällig, professionell.

Separate Liste. Nur, wenn das Unternehmen explizit danach fragt. Dann auf einer eigenen Seite: Name, Funktion, Firma, Telefon, E-Mail. Nicht mehr.

Direkt im Lebenslauf. Mache ich nur, wenn die Referenz ein echtes Aushängeschild ist, etwa ein anerkannter Name in deiner Branche. Sonst wirkt es aufdringlich.

Prüf vor dem Absenden, ob dein Lebenslauf die automatisierte Vorauswahl besteht. Der kostenlose ATS-Check zeigt dir in zwei Minuten, ob Format und Struktur passen. Gerade Referenzangaben, die als eigenständige Abschnitte gesetzt sind, können bei manchen Systemen für Verwirrung sorgen.

Und wenn du dir bei den übrigen Unterlagen unsicher bist: die Checkliste für Bewerbungsunterlagen deckt ab, was 2026 wirklich gefordert wird.

Wenn der Kontakt zum alten Chef schlecht ist#

Das ist häufiger als du denkst. Vielleicht gab es einen Konflikt, vielleicht habt ihr euch im Guten getrennt, aber der Kontakt ist eingeschlafen. Oder die Firma gibt dir nur ein Standarddokument statt eines qualifizierten Zeugnisses. Nicht selten.

Lösung eins: Weiche auf eine andere Führungskraft aus. Der Bereichsleiter, der dich in einem Projekt gesehen hat, tut es oft auch, solange die Person deine Arbeit kennt, denn die Hierarchie ist zweitrangig. Funktioniert.

Lösung zwei: Nimm Kunden oder Partner. Ein Kunde, der deine Arbeit geschätzt hat, ist oft aussagekräftiger als ein Vorgesetzter, der dich nur absegnet hat. Überraschend stark.

Lösung drei: Sag offen, dass du keine Referenz vom letzten Vorgesetzten geben kannst. Das klingt riskanter, als es ist. Ein Satz wie "Mein direkter Vorgesetzter hat die Firma verlassen, ich kann Ihnen aber gerne eine Referenz aus dem Projekt XY nennen" ist ehrlich und lösungsorientiert. Wirkt souverän.

Was du nie machst: eine Referenz erfinden, Kontaktdaten ohne Erlaubnis weitergeben oder eine Person angeben, von der du weißt, dass sie negativ über dich spricht. Nie.

Wo du passende Stellen findest#

Wenn du gerade suchst, lohnt ein Blick auf die aktuelle Stellenangebote auf JobRise, denn viele Firmen schreiben schon in die Stellenbeschreibung, ob sie im Prozess nach Referenzen fragen, und das spart dir Überraschungen. Sieh nach.

Bei internationalen Arbeitgebern steht meistens "references upon request" oder "two references" in der Ausschreibung, dann hast du die Anfrage spätestens im zweiten Gespräch, und du solltest deine Liste parat haben, auch wenn sie nicht Teil der Bewerbung ist. Bereit halten.

Häufige Fragen#

Muss ich Referenzen in jeder Bewerbung angeben?

Nein. In Deutschland sind Arbeitszeugnisse das Übliche, Referenzen die Ausnahme. Schreib "Referenzen auf Anfrage" in den Lebenslauf und warte ab, ob gefragt wird.

Darf ich meinen alten Chef ohne Rücksprache als Referenz angeben?

Nein. Hol dir immer zuerst das Einverständnis. Ohne Zustimmung riskierst du, dass die Person nicht erreichbar ist oder eine Auskunft gibt, die dir schadet.

Was mache ich, wenn mein letzter Vorgesetzter kein guter Referenzgeber ist?

Weiche auf eine andere Führungskraft, einen Kunden oder einen Projektpartner aus. Wichtiger als die Hierarchie ist, dass die Person deine konkrete Arbeit kennt und positiv bewertet.

Wie viele Referenzen soll ich angeben?

Zwei bis drei reichen völlig. Mehr wirkt unsicher, weil es den Eindruck erweckt, du suchst nach jemandem, der dich wirklich mag. Wähle gezielt nach Bezug zur Zielstelle.

Sind Referenzen in der Schweiz Pflicht?

Pflicht nicht, aber deutlich verbreiteter als in Deutschland. Rechne damit, dass im Prozess angerufen wird, und halte zwei bis drei Namen bereit, wenn du dich in der Schweiz bewirbst.

Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.