Zwischenzeugnis anfordern: wann und wie, mit Mustertext

JobRise Team7 min read

Dein Vorgesetzter wechselt, oder die Abteilung wird umgebaut, und du fragst dich, ob du jetzt ein Zwischenzeugnis brauchst. Meistens ja. Und die meisten warten viel zu lange.

Ein Zwischenzeugnis ist ein Arbeitszeugnis, das mitten im Beschäftigungsverhältnis ausgestellt wird. Es bescheinigt, was du bisher gemacht hast und wie. Es ist kein Endzeugnis. Aber es ist ein echtes Dokument mit Unterschrift.

Wann ein Zwischenzeugnis sinnvoll ist#

Es gibt Anlässe, bei denen du fast automatisch fragen solltest. Und es gibt welche, bei denen du überlegen musst, wie du es formulierst.

Die klassischen Fälle:

  • Dein direkter Vorgesetzter verlässt das Unternehmen oder wechselt die Abteilung. Der neue Chef kennt deine Arbeit nicht, und alles, was er über dich weiß, kommt aus Erzählungen.
  • Du wirst versetzt oder in ein anderes Team geschoben. Deine bisherige Leistung ist dann im alten Team dokumentiert, sonst nirgends.
  • Es steht eine Umstrukturierung an, eine Fusion, ein Stellenabbau. Niemand sagt dir, was nachher passiert. Genau dann willst du etwas Schriftliches in der Hand haben.
  • Du gehst in Elternzeit oder nimmst eine längere Auszeit. Nach zwei Jahren weiß niemand mehr genau, was du gemacht hast.
  • Du machst eine Weiterbildung, die dich länger aus dem Tagesgeschäft nimmt.
  • Du überlegst dir einen Wechsel, willst aber noch nicht kündigen.

Bei Elternzeit ist der Anlass besonders klar, denn du bist eine Zeit weg, und wenn du zurückkommst, sitzt vielleicht ein komplett anderer Chef da. Viele holen sich das Zeugnis vorher, einfach weil es danach unangenehmer wird. Besser so. Dann ist alles dokumentiert.

Den nächsten Ratgeber per E-Mail

Neue Ratgeber und aktuelle Jobs in einer kurzen E-Mail. Kostenlos.

Mit einem Klick abbestellen.

Ob du einen Anspruch hast#

Hier wird es unscharf. Und das ist ehrlich gesagt der Teil, den die meisten Artikel verschweigen.

Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis gibt es in Deutschland nicht pauschal, in Österreich und der Schweiz gelten eigene Regelungen, und was tatsächlich gilt, hängt von deinem Arbeitsvertrag, vom anwendbaren Tarifvertrag und von der Rechtslage in deinem Land ab. Schau in deinen Vertrag, dann in den Tarifvertrag, wenn einer gilt, und im Zweifel auf die offiziellen Quellen deines Landes oder eine Beratungsstelle. Keine Pauschalantwort.

In der Praxis sieht es oft so aus: Bei einem konkreten Anlass wie Vorgesetztenwechsel, Versetzung oder Elternzeit sagen viele Arbeitgeber ja, ohne lange zu diskutieren. Ohne Anlass wird es schwieriger, dann brauchst du ein Argument. Sonst wird es zäh.

Ein Hinweis zur Rechtslage: Hier geht es nicht um Jobsuche im engeren Sinn. Wenn du parallel schaust, wo Stellen frei sind, findest du die aktuelle Stellenangebote im Überblick, für einen gezielten Wechsel innerhalb Deutschlands lohnt der Blick auf Jobs in Deutschland.

So fragst du, ohne Verdacht zu wecken#

Der Satz „Ich hätte gern ein Zwischenzeugnis“ ohne Begründung löst im Kopf des Chefs sofort die Frage aus: Warum? Will der kündigen? Das willst du vermeiden. Sonst wird es ungemütlich.

Die Lösung ist simpel: Nenne einen plausiblen, überprüfbaren Anlass, und zwar einen, der auch stimmt, denn erfundene Gründe fliegen früher oder später auf. Erfinden musst du nichts. Ehrlich bleibt einfach.

Gute Formulierungen:

  • „Mein Vorgesetzter wechselt, und ich würde gern meine bisherige Leistung dokumentiert haben, bevor das Team neu aufgestellt wird.“
  • „Ich gehe im Sommer in Elternzeit und möchte vorher noch ein Zwischenzeugnis für meine Unterlagen.“
  • „Ich mache nächstes Jahr eine Weiterbildung und brauche für die Bewerbung darum ein aktuelles Zeugnis.“
  • „Meine Stelle wird umstrukturiert, und ich möchte sicher gehen, dass meine bisherige Arbeit festgehalten ist.“

Wichtig: Sag es mündlich, bevor du es schriftlich machst. Kurzes Gespräch, dann E-Mail zur Bestätigung. Wer direkt eine formelle E-Mail schickt, wirkt, als würde er eine Akte anlegen. Nicht gut.

Und: Bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis, nicht nur um ein einfaches, weil du sonst am Ende nur die Tätigkeitsbeschreibung ohne Leistungsbeurteilung bekommst, und genau die brauchst du später in Bewerbungen. Sonst hast du nichts davon.

Mustertext als E-Mail#

Hier ein Text, den du anpassen und abschicken kannst. Halte ihn kurz. Lange Mails zum Thema Zeugnis wirken nervös.

Betreff: Zwischenzeugnis

Sehr geehrte Frau Muster,

wie Sie wissen, wechselt Herr Meier zum 1. April die Abteilung. Ich würde mir gerne vor diesem Wechsel ein qualifiziertes Zwischenzeugnis über meine bisherige Tätigkeit ausstellen lassen.

Hätten Sie in den kommenden Wochen die Möglichkeit, das Zeugnis zu erstellen? Bei Fragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Vielen Dank und freundliche Grüße Max Mustermann

Wenn der Anlass ein anderer ist, tausch einfach den ersten Satz, denn der Rest funktioniert gleich und bleibt bewusst knapp gehalten. Wenn du unsicher bist, ob dein Zeugnis später mit dem alten übereinstimmt, wirf vorher einen Blick auf Arbeitszeugnisse verstehen, da stehen die Formulierungen erklärt, die Personaler wirklich lesen. Lohnt sich.

Was drinstehen muss#

Ein gutes Zwischenzeugnis hat vier Bausteine. Fehlt einer, frag nach. Sofort.

Zuerst die Kopfdaten: Name, Geburtsdatum, Eintrittsdatum, Dauer der Beschäftigung. Dann die Tätigkeitsbeschreibung, möglichst so, dass du die Aufgaben später in Bewerbungen wiedererkennst. Danach die Leistungsbeurteilung: Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Fachwissen, Zusammenarbeit. Zuletzt die Schlussformel, also der Satz, der dein Ausscheiden bedauert oder dir alles Gute wünscht.

Ein Beispiel, wie eine konkrete Aufgabenbeschreibung aussieht, wenn man sie für Bewerbungen brauchbar macht:

Vorher: „Bearbeitung von Kundenanfragen und Mitwirkung im Projektgeschäft.“

Nachher: „Eigenständige Bearbeitung und Priorisierung von rund 40 Kundenanfragen pro Woche, Mitwirkung in zwei Projekten zur Prozessoptimierung, davon eines als Teilprojektleitung.“

Zahlen, Verantwortung, Ergebnis. Das ist der Unterschied zwischen einer Aufzählung und einer Leistung. Klarer Fall.

Und wenn du gerade dabei bist, dein Dokument für Bewerbungen zu optimieren: Mit dem kostenlosen ATS-Check siehst du in zwei Minuten, ob dein Lebenslauf von Bewerbermanagement-Systemen sauber gelesen wird, denn das spart dir Absagen, die gar nichts mit deiner Qualifikation zu tun haben. Teste das.

Was nachher mit dem Endzeugnis passiert#

Ein Zwischenzeugnis ist nicht in Stein gemeißelt. Dein Arbeitgeber kann im Endzeugnis später abweichen, wenn sich deine Leistung oder dein Aufgabenbereich geändert hat. Das ist legitim.

Trotzdem gilt: Gravierende Abweichungen vom Zwischenzeugnis muss der Arbeitgeber in der Regel begründen, denn wenn du zwei Jahre lang eine 1 im Zwischenzeugnis hattest und im Endzeugnis plötzlich nur noch eine 3 steht, muss da etwas passiert sein, das man erklären kann. Das ist keine Garantie, aber es ist ein Argument, wenn es hart auf hart kommt. Im Zweifel nachfragen.

Deshalb: Heb das Zwischenzeugnis auf, am besten digital und im Original, und lies es genau, bevor du es unterschreibst, weil der Recruiter in deiner Bewerbungsmappe nur kurz blättert und was dort steht, zählt. Prüfe jedes Wort.

Häufige Fragen#

Wie oft kann ich ein Zwischenzeugnis anfordern?

Es gibt keine feste Obergrenze, aber jedes Mal brauchst du einen Anlass. Einmal alle zwei bis drei Jahre ist in vielen Unternehmen üblich, öfter nur bei konkreten Ereignissen wie Vorgesetztenwechsel oder Elternzeit.

Was mache ich, wenn der Arbeitgeber sich weigert?

Sprich erst mal mit der Personalabteilung, oft weiß dein Chef gar nicht, dass das möglich ist. Hilft das nicht, hol dir Rat bei der zuständigen Kammer, dem Betriebsrat oder einer Beratungsstelle, je nach Land und Branche.

Muss ich den Grund nennen, warum ich das Zeugnis will?

Musst du nicht, aber ein plausibler Grund macht alles leichter. Ein Anlass wie Vorgesetztenwechsel oder Elternzeit ist überprüfbar und wirkt nicht, als würdest du dich heimlich wegbewerben.

Reicht ein einfaches Zwischenzeugnis für Bewerbungen?

Nein, für Bewerbungen brauchst du ein qualifiziertes mit Leistungsbeurteilung. Ein einfaches Zeugnis listet nur deine Tätigkeiten auf und ist für Personaler wenig aussagekräftig.

Gilt das Gleiche in Österreich und der Schweiz?

Die Grundidee ist ähnlich, aber die Rechtslage unterscheidet sich. Schau in deinen Arbeitsvertrag und die offiziellen Quellen deines Landes, im Zweifel hilft die Arbeiterkammer in Österreich oder das Staatssekretariat für Wirtschaft in der Schweiz weiter.

Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.