Arbeitgeber prüfen: Kununu-Bewertungen richtig lesen
Das Angebot liegt auf dem Tisch, aber du willst wissen, wie der Arbeitgeber wirklich tickt. Also öffnest du Kununu. Und ertrinkst in Sternen und Erfahrungsberichten.
Kununu ist die größte Plattform für Arbeitgeberbewertungen im deutschsprachigen Raum. Leute schreiben dort anonym über ihren Job. Das ist Material. Kein Urteil.
Was Kununu ist und was es nicht ist#
Die Plattform ist ein Ort, an dem aktuelle und ehemalige Mitarbeitende anonym bewerten, du findest dort Firmenprofile, Erfahrungsberichte, Gehaltsangaben und manchmal Antworten der Firma selbst. Im DACH-Raum ist das die erste Adresse für sowas.
Was du dort nicht findest, ist eine neutrale Prüfung, denn niemand verifiziert, ob der Schreibende wirklich in der Firma war, und niemand gleicht ab, ob der Frust eines Menschen das ganze Unternehmen beschreibt. So what? Kununu bleibt ein Stimmungsbild.
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Datum, Abteilung und Kontext zuerst#
Der erste Griff geht ans Datum, weil eine Bewertung von 2018 eine Firma beschreibt, die es vielleicht gar nicht mehr gibt: Führungskräfte wechseln, Teams werden umbaut, Policies kommen und gehen. Veraltet. Ignorier das.
Dann schaust du auf Abteilung und Standort, denn ein Konzern mit 30 Standorten hat 30 verschiedene Realitäten, und was in der Zentrale in München gilt, sagt nichts über das Lager in Bremen.
Und drittens: Wer schreibt hier? Jemand aus dem Vertrieb erlebt Druck anders als jemand in der Buchhaltung. Beides kann stimmen. Nur für verschiedene Jobs.
Muster statt Einzelfälle lesen#
Ein einzelner saurer Kommentar ist fast nie aussagekräftig, denn jemand hatte einen schlechten Chef, kündigte im Streit und schrieb eine Woche später seinen Bericht, und der fällt dann scharf aus. Klar. Trotzdem nicht typisch.
Interessant wird es, wenn sich etwas wiederholt, wenn fünf Leute aus drei Jahren und zwei Abteilungen alle sagen, dass Überstunden nicht erfasst werden, dann ist das kein Zufall mehr. Bingo.
Notier dir beim Lesen, was mehrfach auftaucht: Führungsverhalten, Work-Life-Balance, Gehaltsentwicklung, Entscheidungswege. Diese Liste ist später dein Gesprächsleitfaden. Behalt die.
Antworten des Arbeitgebers ernst nehmen#
Manche Firmen antworten auf Bewertungen, und diese Antworten zeigen dir, wie das Unternehmen mit Kritik umgeht. Lies sie aufmerksam. Sie verraten viel.
Eine gute Antwort erkennt das Problem an und sagt, was sich geändert hat, eine schlechte Antwort relativiert, redet von Einzelfällen oder wird defensiv. Sagt schon was über die Kultur, oder?
Gehaltsangaben richtig einordnen#
Die Gehaltsangaben auf Kununu sind freiwillige Selbstauskünfte, und niemand prüft sie, weil Erfahrung, Standort und Verhandlungsgeschick stark variieren, fallen die Spannen oft breit aus. Nimm sie als grobe Orientierung. Nie als Benchmark.
Für verbindliche Zahlen brauchst du den Arbeitsvertrag, den jeweiligen Tarifvertrag oder die offizielle Quelle in deinem Land, denn in Österreich und der Schweiz gelten andere Regeln als in Deutschland. Im Zweifel nachfragen.
Warnzeichen für geschönte Bewertungen#
Firmen wissen, dass Kununu ihre Bewerbungszahlen beeinflusst, und manche reagieren darauf mit Marketing statt mit Verbesserung. Woran du das erkennst:
- Plötzliche Häufung von sehr positiven Bewertungen in kurzer Zeit, oft nach einer Phase mit vielen Negativ-Kommentaren
- Immer wieder dieselben Schlagworte und Formulierungen, als kämen sie aus einem Leitfaden
- Viele Sterne, aber kaum konkrete Details zum Alltag
- Bewertungen nur aus einem sehr kurzen Zeitraum, davor und danach Funkstille
- Positiver Text, der die Frage nach Verbesserungswünschen komplett auslässt
- Neue Accounts, die nur diese eine Firma bewertet haben
Kein einzelnes dieser Zeichen ist ein Beweis, aber wenn drei davon zusammenkommen, wird's dünn. Dann zurücktreten.
Weitere Quellen, die du anzapfen solltest#
Kununu allein reicht nicht, denn Glassdoor hat ein ähnliches Format mit anderem Publikum, und die Überschneidung der Muster ist für dich das Interessante. Vergleiche ruhig. Es lohnt sich.
LinkedIn lohnt sich für einen anderen Grund, denn sieh dir an, wie lange Leute in der Firma bleiben: Viele Profile mit 8 oder 10 Jahren sind ein gutes Zeichen, viele mit 11 Monaten eher nicht. Muster. Nicht Ausnahmen.
Der beste Test bleibt das Gespräch, und wenn du in der Runde fragst, wie zufrieden die Leute wirklich sind, hör zwischen den Zeilen, wer zögert, bevor er antwortet. Das zählt.
Wenn du neben der Recherche noch am Dokument feilst, check vorher deinen Lebenslauf auf ATS-Kompatibilität mit dem kostenlosen ATS-Check, gerade bei größeren Firmen sortiert Software vor Menschen aus. Lieber vorher testen.
Fragen fürs Gespräch, um Kritikpunkte zu prüfen#
Nimm deine Liste aus den Mustern und mach konkrete Fragen draus, denn nichts ist peinlich daran, im Gespräch nachzufragen, im Gegenteil: Es wirkt vorbereitet. Also frag nach.
Statt "Wie ist die Work-Life-Balance?" fragst du: "Ich habe gelesen, dass Überstunden bei Ihnen ein Thema waren. Wie werden die heute erfasst und abgefeiert?" Das zwingt zu einer echten Antwort.
Beispiel für einen Punkt, den du prüfen willst:
In den Bewertungen fiel mehrfach, dass Entscheidungen lange dauern, weil alles durch zwei Gremien muss. Wie läuft das bei Ihnen im Alltag, und wer entscheidet letztlich, wenn es schnell gehen muss?
Wenn die Antwort ausweicht, hast du deine Information, wenn sie konkret wird, ebenfalls. Beides brauchst du.
Wo du passende Stellen findest#
Recherche und Suche gehören zusammen, und auf den aktuelle Stellenangebote findest du offene Rollen, zu denen du dann gezielt die Firmen prüfen kannst. Wer gezielt in Deutschland schaut, landet bei den Jobs in Deutschland.
Für einen breiten Überblick über die Portale jenseits von Kununu hilft der Vergleich der Jobportale in Deutschland. Da siehst du, wo du nebenher noch suchen kannst. Nicht verpassen.
Häufige Fragen#
Wie viele Kununu-Bewertungen brauche ich für ein Urteil?
Ab etwa fünf bis zehn Bewertungen über mehrere Jahre hinweg wird das Bild brauchbar, darunter ist alles Zufall. Achte mehr auf Wiederholungen als auf die Zahl der Sterne.
Was tun, wenn die Bewertungen sehr unterschiedlich ausfallen?
Unterschiedliche Zeiten und Abteilungen erklären das oft, also sortiere nach Datum und schau, ob sich das Bild nach einem bestimmten Ereignis ändert. Ein Wechsel in der Geschäftsführung ist ein typischer Wendepunkt.
Darf ich im Gespräch nach negativen Bewertungen fragen?
Ja, ruhig und wertschätzend. Formuliere es als Frage nach Veränderung, nicht als Vorwurf, so zeigst du Recherche und bekommst meist eine ehrlichere Antwort.
Sind Kununu-Gehaltsangaben verlässlich?
Sie sind eine grobe Orientierung, keine Basis für deine Gehaltsverhandlung, weil die Spannen von Erfahrung, Region und Verhandlung abhängen. Verbindliche Zahlen stehen im Vertrag oder im jeweiligen Tarifvertrag, in der Schweiz oft im Gesamtarbeitsvertrag.
Reicht Kununu allein für die Arbeitgeberprüfung?
Nein. Kombiniere es mit Glassdoor, LinkedIn-Profilen ehemaliger Mitarbeitender und eigenen Gesprächen, denn erst wenn mehrere Quellen dasselbe Muster zeigen, wird's belastbar.
Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.