Zeitarbeit: Vor- und Nachteile und wie du dich bewirbst

JobRise Team6 min read

Du willst über eine Zeitarbeitsfirma schnell einen Job finden, weißt aber nicht, ob sich das lohnt oder ob du dich nur ausnutzen lässt. Dann gehen wir das mal Schritt für Schritt durch: Was Zeitarbeit ist, wo sie sich rechnet und wie du bei einer seriösen Agentur landest.

Wie Zeitarbeit funktioniert#

Dein Arbeitsvertrag läuft mit der Zeitarbeitsfirma, nicht mit dem Betrieb, in dem du tatsächlich arbeitest. Der Betrieb ist nur dein Einsatzort: dort wirst du gebraucht, dort bekommst du Anweisungen, aber bezahlt wirst du von der Vermittlung.

Kündigen, Urlaub, Lohnfortzahlung, das läuft alles über die Zeitarbeitsfirma und nicht über den Kunden. Beim Kundenbetrieb bist du zu Gast, auch wenn du dort monatelang dieselbe Maschine bedienst, und genau das verwechseln viele.

Produktion, Logistik, Büro und Pflege. Da ist das Modell überall verbreitet. Firmen holen sich Leute, wenn Aufträge schwanken, Kollegen ausfallen oder Projekte anstehen, ohne sofort fest einzustellen.

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Vorteile: was du davon hast#

Der größte Vorteil ist der schnelle Einstieg, auch ohne perfekten Lebenslauf. Viele Zeitarbeitsfirmen stellen ein, bevor der Kunde genau weiß, was er braucht, und vermitteln dich dann weiter, und das verkürzt deine Suche spürbar.

Du sammelst Erfahrung in verschiedenen Betrieben und Branchen. Gerade Quereinsteiger und Wiedereinsteiger kommen so in Häuser, die ihre Bewerbung sonst direkt ablehnen würden.

Kontakte. Wichtig. Wenn du im Kundenbetrieb gut bist, kennen dich die Leute dort mit Namen, und genau das führt oft zur Übernahme.

Und die Bezahlung ist nicht mehr das, was sie vor Jahren war: Es gelten Tarifverträge der Branche, und nach einer gewissen Einsatzdauer greift der Grundsatz gleicher Bezahlung mit dem Kundenbetrieb. Wie lange das dauert und was dann gilt, steht in deinem Vertrag und im Tarifvertrag, frag gezielt danach.

Nachteile: was du wissen musst#

Einsätze können wechseln oder kurzfristig enden. Du weißt selten im Voraus, wo du in drei Monaten arbeiten wirst, und Umwege zur Arbeit können dazukommen.

Der Kunde hat wenig Bindung zu dir. Bei Auftragsrückgang bist du die Erste, die geht, das ist einfach die Logik hinter dem Modell. So ist das leider.

Beim Einstieg bekommst du nicht automatisch dasselbe wie Festangestellte im Kundenbetrieb. Das ändert sich mit der Einsatzdauer, siehe oben, aber bis dahin verdienst du oft weniger.

Die Übernahme ist kein Versprechen. Manche Kundenbetriebe übernehmen regelmäßig, andere nie, und wenn du nach der Übernahmequote fragst und nur ein Achselzucken bekommst, sagt dir das mehr als jede Stellenanzeige. Frag im Gespräch konkret, wie oft das in den letzten Jahren vorgekommen ist, seriöse Vermittler haben da eine Antwort parat.

Übernahme durch den Kundenbetrieb#

Die Übernahme ist der häufigste Grund, warum Leute überhaupt in die Zeitarbeit gehen. Der Kunde kennt dich, sieht deine Arbeit, und wenn er eine Stelle frei hat, bist du oben auf der Liste.

Praktisch läuft das meist so: der Kunde spricht dich an, oder du meldest Interesse bei deinem Ansprechpartner bei der Zeitarbeitsfirma. Oft gibt es eine Ablösevereinbarung zwischen den Firmen, das ist nicht dein Problem und kostet dich nichts.

Sag früh, dass du an Übernahme interessiert bist. Wer schweigt, wird als Leiharbeiter abgestempelt, wer fragt, wird als Kandidat gesehen. Nicht kompliziert.

Verträge unterscheiden: befristet oder nicht#

Zeitarbeitsverträge gibt es befristet und unbefristet, und der Unterschied hat praktische Folgen für dich. Wer plant, über die Zeitarbeit in eine feste Stelle zu wechseln, sollte die befristete und unbefristete Verträge genau verstehen, bevor er unterschreibt.

Bei einer Befristung weißt du, wann Schluss ist, bekommst aber keine Sicherheit danach. Unbefristet heißt: du bleibst bei der Zeitarbeitsfirma angestellt, auch wenn gerade kein Kunde da ist, der dich braucht.

Seriöse Agenturen erkennen#

Eine gute Zeitarbeitsfirma redet offen über den Vertrag, die Bezahlung und den konkreten Einsatz. Eine schlechte drängt dich zur Unterschrift und redet um konkrete Fragen herum.

Warnzeichen: du sollst für Vermittlung oder „Bearbeitung" zahlen, du bekommst den Vertrag erst am ersten Arbeitstag, oder es gibt keine Ansprechpartnerin, die ans Telefon geht. Alles davon ist ein Grund zu gehen. Sofort.

Seriös ist, wenn dir jemand die Konditionen schriftlich gibt, dich vor dem Einsatz auf den Kunden vorbereitet und ehrlich sagt, wenn die Stelle nur drei Monate läuft. Das ist kein Luxus, das ist das Minimum.

So bewirbst du dich richtig#

Die Bewerbung bei einer Zeitarbeitsfirma ist schneller als bei einem Konzern, aber trotzdem kein Freifahrtschein. Die Vermittler sortieren aus, und was sie sehen wollen, ist klar: wann kannst du anfangen, wo kannst du arbeiten, wie kommst du hin.

Deine Verfügbarkeit ist das Wichtigste. Schreib rein, ab wann du kannst, ob du im Schichtdienst arbeitest und ob Wochenenden für dich gehen. Klar und konkret.

Führerschein und Erreichbarkeit sind oft entscheidender als dein Zeugnis. Wenn du einen Führerschein Klasse B hast, schreib das sichtbar hin, auch wenn die Stelle ihn nicht verlangt, weil viele Einsatzorte schlecht mit Bus und Bahn erreichbar sind.

Dein Lebenslauf sollte auf eine Seite passen. Recruiter überfliegen ihn in wenigen Sekunden, und alles, was länger ist, wird ignoriert. Also kürzen.

Ein Beispiel, wie eine Zeile im Lebenslauf aussehen kann:

Statt: „Tätigkeiten im Lager, Kommissionierung, Warenannahme" Besser: „Kommissionierung und Warenannahme im Logistikzentrum, ca. 600 Positionen pro Schicht, Staplerführerschein vorhanden"

Siehst du den Unterschied? Die zweite Version sagt, was du kannst, wie viel und womit, das ist für Zeitarbeitsfirmen sofort einsetzbar.

Bevor du abschickst, lass deinen Lebenslauf vom kostenlosen ATS-Check laufen. Viele Zeitarbeitsfirmen arbeiten mit Systemen, die Bewerbungen automatisch lesen, und wenn dein Dokument dort durchfällt, sieht es kein Mensch.

Wo du Zeitarbeit findest#

Schau dir die aktuelle Stellenangebote an, dort findest du Stellen in Produktion, Logistik, Büro und Pflege, viele davon über Vermittler. Wenn du gezielt in Deutschland arbeiten willst, nimm die Jobs in Deutschland, dort sind die Einsätze nach Region geordnet.

Bewirb dich bei mehreren Agenturen gleichzeitig. Das ist kein Verrat an irgendwem, sondern ganz normal, und du vergleichst so am besten, wer dir den besseren Vertrag anbietet.

Häufige Fragen#

Bekomme ich als Zeitarbeiter dasselbe Gehalt wie Festangestellte?

Nicht sofort, aber nach einer gewissen Einsatzdauer greift der Grundsatz gleicher Bezahlung mit dem Kundenbetrieb. Wie lange das dauert und welche Zuschläge gelten, steht in deinem Vertrag und im anwendbaren Tarifvertrag, frag die Zeitarbeitsfirma konkret danach.

Kann ich eine Zeitarbeitsstelle ablehnen, wenn mir der Kunde nicht passt?

Grundsätzlich darfst du Einsätze ablehnen, aber es wirkt sich auf deine Chancen bei der Vermittlung aus. Sag früh und ehrlich, was nicht passt, etwa Schichtmodelle oder Anfahrt, dann kann die Agentur dich anders einsetzen.

Was passiert, wenn beim Kunden nichts mehr zu tun ist?

Dann gehst du zurück zur Zeitarbeitsfirma, dein Arbeitsvertrag gilt weiter. Bekommst du keinen neuen Einsatz, bezahlt dich die Firma trotzdem weiter, wie lange das geht, hängt vom Vertrag ab.

Lohnt sich Zeitarbeit für Quereinsteiger?

Ja, oft ist das der schnellste Weg in einen neuen Bereich, weil die Hürden beim Einstieg niedriger sind als bei Festanstellungen. Geh mit einem klaren Ziel rein und sag früh, in welche Richtung du dich entwickeln willst.

Wie lange sollte ich in der Zeitarbeit bleiben, bevor ich mich neu bewerbe?

Es gibt keine feste Regel, aber nach einigen Monaten mit konkreten Einsätzen im Lebenslauf hast du deutlich bessere Karten. Nutze die Zeit, um Zertifikate zu sammeln und Kontakte im Kundenbetrieb zu pflegen.

Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.