Questions to Ask in a Software Engineer Interview
Du hast die technischen Runden überstanden, und am Ende sagt der Hiring Manager: „Haben Sie noch Fragen?" Genau hier entscheidet sich oft, ob du als Junior rüberkommst oder als jemand, der die Stelle schon ernsthaft durchdenkt.
Gute Fragen zeigen nicht Wissbegierde. Sie zeigen, dass du weißt, woran Softwareprojekte scheitern. Und sie liefern dir die Infos, die in der Stellenanzeige nie stehen.
Warum deine Fragen mehr über dich verraten als deine Antworten#
Interviewer bewerten am Ende des Gesprächs zwei Dinge: Kann die Person die Arbeit machen, und will ich mit ihr arbeiten. Deine Fragen beantworten den zweiten Punkt direkt. Wer fragt, wie das Team mit technischen Schulden umgeht, hat offensichtlich schon mal in einem Projekt mit Altlasten gearbeitet.
Der Effekt ist unmittelbar. Sobald deine Fragen konkret werden, kippt die Dynamik vom Prüfungsgespräch in den Austausch auf Augenhöhe. Genau das wollen Senior-Leute ausstrahlen.
Den nächsten Ratgeber per E-Mail
Neue Ratgeber und aktuelle Jobs in einer kurzen E-Mail. Kostenlos.
12 Fragen und was sie über dich aussagen#
Fragen zur Team-Realität
- Wie groß ist das Team aktuell, und wie hat es sich in den letzten zwölf Monaten verändert?
- Wann hat zuletzt jemand das Team verlassen, und woran lag es aus eurer Sicht?
- Wie läuft Code Review bei euch: Wer reviewt, wie lange dauert das typischerweise, und wie werden Konflikte entschieden?
- Wie viel eurer Woche geht für Meetings drauf, und wie viel Zeit bleibt für Deep Work?
Die dritte Frage ist mein Favorit. Sie ist technisch konkret und verrät sofort, ob es echte Engineering-Kultur gibt oder nur Chaos mit Git.
Fragen zu Prioritäten und Entscheidungen
- Welche technische Entscheidung der letzten zwölf Monate würdet ihr heute anders treffen?
- Wie werden technische Schulden priorisiert: gibt es einen festen Slot im Sprint, oder gewinnt das Feature immer?
- Wer trifft Architekturentscheidungen im Team, und wie läuft das, wenn ihr uneins seid?
- Welches steht an: ein großer Migration-Schritt oder ein neues Produktfeature, und wer entscheidet das?
Die erste Frage ist ein Ehrlichkeitstest. Ein gutes Team hat eine Antwort. Ein schlechtes Team sagt „keine", und das ist auch eine Antwort.
Fragen zu Erfolgskriterien
- Woran messt ihr nach sechs Monaten, ob ich die Rolle gut mache?
- Welche ersten 90 Tage habt ihr im Kopf, und was sollte bis dahin stehen?
- Wie läuft Feedback bei euch: formale Zyklen, wöchentliche 1:1s, oder eher ad hoc?
„Woran messt ihr Erfolg" ist die Frage mit dem besten Aufwand-Ertrag-Verhältnis. Sie dauert zehn Sekunden und du bekommst ein halbes Onboarding-Konzept zurück.
Fragen zu Risiken und roten Flaggen
- Was ist die größte technische Unsicherheit in dem Projekt, in das ich kommen würde?
- Welche Rolle spielt On-Call, und wie oft wird man nachts tatsächlich geweckt?
Die On-Call-Frage wird viel zu selten gestellt. Sie ist keine Nörgelei, sondern normale Sorgfalt. Wer so fragt, hat Erfahrung.
Ein konkretes Beispiel, wie das im Gespräch klingt#
Schlecht: „Wie ist die Unternehmenskultur?"
Besser: „Ich habe gesehen, ihr migriert von einem Monolithen auf Services. Wie entscheidet ihr, welcher Teil zuerst rauskommt, und wer trägt die Verantwortung für die Grenzen?"
Der Unterschied ist offensichtlich. Die erste Frage kann jeder stellen. Die zweite zeigt, dass du die Stellenanzeige gelesen und verstanden hast, was die Firma gerade treibt. Vorher hilft dir ein Blick auf die ausgeschriebene Stelle und ein Klarstellen der Anforderungen mit einem Werkzeug wie dem kostenfreien JD-Decoder, damit du genau weißt, was die Firma überhaupt sucht.
Welche Fragen du besser weglässt#
Manche Fragen schaden dir aktiv. Nicht weil sie dumm sind, sondern weil sie Signale senden, die du nicht senden willst.
- „Was macht Ihr Unternehmen genau?" Das hätte vorher recherchiert werden müssen.
- „Wie schnell kann ich befördert werden?" Klingt nach Sprungbrett, nicht nach Beitrag.
- „Was ist die Gehaltsspanne?" Gehalt klärst du, wenn ein Angebot da ist, oder du nennst zuerst deine Vorstellung. Details dazu unten.
- „Kann ich remote arbeiten, wann ich will?" Besser: „Wie handhabt ihr Remote-Arbeit im Team?" So fragst du nach der Praxis, nicht nach deiner Extrawurst.
- Ja-nein-Fragen. Jede Frage, die man mit einem Wort beantworten kann, verschwendet deine letzte Gesprächsminute.
Zum Gehalt: Übliche Spannen für Softwareentwickler in Deutschland liegen je nach Erfahrung, Region und Tech-Stack weit auseinander. Junior-Rollen starten oft irgendwo im mittleren fünfstelligen Bereich brutto pro Jahr, erfahrene Engineers liegen deutlich darüber. Die Zahlen schwanken stark, also prüfe die aktuellen Angaben bei der Bundesagentur für Arbeit oder in aktuellen Gehaltsreports, bevor du eine Zahl nennst.
Wie du die Antworten liest#
Die Frage ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist, das Gegenüber beim Reden zu beobachten.
Vage Formulierungen sind ein Warnsignal. „Wir arbeiten agil" ohne konkrete Praxis bedeutet meistens: Wir machen, was der Kunde schreit. „Wir haben eine offene Fehlerkultur" ohne Beispiel ist Marketing-Sprache. Dagegen: Ein Team, das sagt „Unsere Deployments dauern aktuell 40 Minuten, das ärgert uns, und wir haben es auf die Q2-Roadmap gesetzt", hat eine echte Engineering-Haltung.
Achte auch auf Nonverbales. Wenn deine Frage zur technischen Schuld ein Lachen auslöst und der Satz „Wo fangen wir an?" kommt, hast du ein ehrliches Team gefunden. Wenn das Gesicht erstarrt, hast du auch etwas gefunden.
Vorbereitung in fünf Minuten vor dem Gespräch#
- Lies die Stellenanzeige nochmal und markiere zwei Stellen, die konkret sind, eine Technologie, ein Projekt, ein Ziel.
- Notiere drei Fragen auf Papier. Digitale Notizen erzeugen Blickkontakt-Probleme.
- Recherchiere das Produkt kurz: Was macht es, für wen, und was ist die letzte öffentliche News?
- Checke dein Profil gegen die Anforderungen, zum Beispiel mit dem kostenfreien ATS-Check, dann weißt du, wo du nachhaken musst.
- Falls die Anforderungen unklar formuliert sind, hilft ein Blick in unsere weiteren Artikel rund um Bewerbungen und Interviews, dort findest du Vorlagen für konkrete Formulierungen.
Offene Stellen für Entwicklerrollen findest du in unseren aktuellen Jobangeboten, dort siehst du auch, welche Tech-Stacks gerade gefragt sind.
Kostenlose Tools#
- jobrise.io/de/free-ats-checker/
- jobrise.io/de/free-jd-decoder/
- jobrise.io/de/jobs/
- jobrise.io/de/blog/
Häufige Fragen#
Wie viele Fragen sollte ich am Ende eines Interviews stellen?
Drei bis fünf ist die richtige Menge. Weniger wirkt desinteressiert, mehr raubt dem Gespräch den Abschluss. Wichtiger als die Zahl ist, dass jede Frage aus dem Gespräch heraus entstanden ist, nicht aus einer auswendig gelernten Liste.
Sollte ich nach Gehalt im ersten Gespräch fragen?
Nein, im ersten technischen Gespräch nicht. Wenn das Unternehmen aber eine Spanne in der Ausschreibung nennt, kannst du sie bestätigen lassen. Grundsätzlich gilt: Wer zuerst eine Zahl nennt, verliert selten, wenn die eigene Recherche stimmt.
Was frage ich, wenn ich eine Junior-Rolle will?
Fragen zum Mentoring und zur Einarbeitung sind dann wichtiger als Architekturfragen. Frag konkret, wer im ersten halben Jahr dein Ansprechpartner ist, wie Code Reviews bei Neueinsteigern laufen, und wie viel Zeit das Team für Fragen hat.
Sind Fragen nach Work-Life-Balance negativ besetzt?
Nein, wenn du sie neutral formulierst. „Wie handhabt ihr Überstunden in crunch-Phasen?" ist eine seriöse Frage. „Muss ich oft Überstunden machen?" klingt nach Angst. Der Inhalt ist gleich, die Wirkung nicht.
Was mache ich, wenn mir nach dem Gespräch noch eine Frage einfällt?
Schreib sie in deine Dankesmail, die du innerhalb von 24 Stunden schickst. Das ist ein guter Grund, nochmal Kontakt aufzunehmen, und zeigt, dass du nach dem Gespräch weiterdenkst.
Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.