Bewerbungsfoto: Tipps zu Kleidung, Hintergrund, Format
Du hast kein Foto, das du ohne Bauchschmerzen in eine Bewerbung legen würdest. Oder fünf, und keins davon passt. Dann fehlt dir kein Fotograf mit Tagessatz, sondern eine klare Vorstellung, wie ein Bewerbungsfoto heute aussehen soll.
Freiwillig, aber nicht egal#
In Deutschland ist das Foto im Lebenslauf freiwillig, und in Österreich und der Schweiz gibt es unterschiedliche Gepflogenheiten, aber pauschal gilt für alle drei Länder: Niemand darf dich zwingen, und ein gutes Foto hilft trotzdem. Warum es sich lohnt, wann du es weglässt und was stattdessen zählt, steht ausführlich in unserem Artikel zum Foto im Lebenslauf: ja oder nein.
Hier geht es nur um die Optik. Und um eine Sache, die viele falsch einschätzen: Der Recruiter sieht dein Foto im Schnitt für ein paar Sekunden, bevor er weiterscrollt. In der Zeit zählt der Gesamteindruck. Nicht die Kamera. Nicht der Hintergrund allein.
Den nächsten Ratgeber per E-Mail
Neue Ratgeber und aktuelle Jobs in einer kurzen E-Mail. Kostenlos.
Studio oder Smartphone#
Ein Fotostudio ist kein Muss, und ein aktuelles Smartphone mit gutem Tageslicht reicht für die meisten Bewerbungen völlig aus, weil Studios zwar gleichbleibendes Licht und Anleitung bieten, du aber mit Fensterlicht und ruhiger Wand fast genauso weit kommst.
Mein Rat: Erst das Smartphone probieren. Wenn du nach drei Versuchen immer noch unzufrieden bist, geh ins Studio. Dann weißt du auch, was du dort sagen willst.
Licht, Abstand, Hintergrund#
Das Licht kommt von vorne oder leicht seitlich, und niemals von hinten, weil Gegenlicht dein Gesicht in eine dunkle Silhouette verwandelt und Schatten unter den Augen oder auf einer Gesichtshälfte im kleinen Format sofort unsauber aussehen. Stell dich ein Fenster gegenüber. Nicht mit dem Rücken dazu.
Der Abstand zählt mehr als die Megapixel, und deshalb lässt du jemanden aus rund einem Meter fotografieren, weil aus 30 Zentimetern die Nase spitz und die Ohren klein wirken, also genau der Selfie-Look entsteht, den du vermeiden willst.
Der Hintergrund ist ruhig und hell, eine weiße oder graue Wand reicht. Kein Bücherregal, keine Pflanze direkt hinter dem Kopf, keine Türen mit sichtbaren Rahmen. Der Hintergrund darf ruhig langweilig sein. Er soll nur nicht ablenken.
Kleidung je Branche#
Trag das, was du im Job auch tragen würdest, nur eine Stufe ordentlicher, weil in der Bank oder Kanzlei ein Jackett erwartet wird, in der Softwareentwicklung ein schlichtes dunkles Oberteil reicht und in der Pflege ein sauberes, einfarbiges Shirt genügt. Farben, die funktionieren: dunkles Blau, Grau, Weiß, Schwarz.
Muster sind riskant. Streifen und kleine Karos erzeugen auf Fotos ein Flimmern, das im Digitalen stört. Schmuck sollte klein bleiben, große Ketten und auffällige Ohrringe ziehen den Blick vom Gesicht weg.
Kragen oder V-Ausschnitt schneiden das Gesicht besser ab als ein runder Halsausschnitt. Das ist kein Gesetz, aber im Zweifel gewinnt der Kragen.
Brust- oder Schulterporträt#
Der Standard ist das Schulterporträt, also Kopf, Hals und obere Schulterpartie, und wenn du mehr vom Oberkörper zeigst, wandert der Fokus vom Gesicht weg, weil der Betrachter dann Kleidung und Hintergrund mitliest statt deiner Augen. Ein klassisches Brustbild mit etwas Abstand ist in Ordnung. Ganzkörper ist zu viel.
Der Kopf braucht Luft nach oben. Nicht mittig platzieren, sondern so, dass zwischen Haaransatz und oberem Bildrand noch ein Fingerbreit Platz bleibt. Der Blick geht in die Kamera, direkt, ohne nach oben oder unten zu schauen.
Ein leichtes Lächeln reicht. Kein breites Grinsen, kein strenger Blick. Stell dir vor, du triffst einen Kollegen am Morgen im Flur, so ungefähr.
Format und Datei#
Das Foto im Lebenslauf wird meist rechts oben platziert, in einem eigenen Kasten, der den Text nicht berührt, und die Breite liegt bei etwa drei bis vier Zentimetern, weil ein größeres Foto den Textbereich unnötig zusammenstaucht. Mehr braucht es nicht.
Als Datei nimmst du ein JPEG in Farbe, mit mindestens 300 dpi für den Druck. Für die Online-Bewerbung reicht eine Datei um 200 bis 500 KB, das lädt schnell und bleibt scharf. Dateinamen vergiss viele: nachname_vorname_foto.jpg ist besser als IMG_4823.jpg.
Das Ganze kommt zusammen mit deinem Lebenslauf, und den solltest du vor dem Abschicken testen. Der kostenlosen ATS-Check zeigt dir, ob dein Lebenslauf sauber durch Bewerbermanagement-Systeme kommt, oder ob Formatierung und Foto die Datei kaputt machen.
No-Gos#
Urlaubsfotos fallen sofort auf, selbst wenn du gut aussiehst. Palmen, Skiausrüstung, Sonnenbrille, das gehört nicht in eine Bewerbung.
Selfies erkennt man am ausgestreckten Arm und der leichten Verzerrung. Lass jemanden fotografieren oder nutz einen Timer und ein Stativ.
Starke Filter und Retuschen sind ein No-Go, weil geglättete Haut und freigestellte Hintergründe im Zweifel unseriös wirken und im Vorstellungsgespräch für Verwirrung sorgen, wenn du plötzlich anders aussiehst als auf dem Foto. Finger weg vom Filter.
Der Ausschnitt aus einem Gruppenfoto ist die häufigste Notlösung. Selbst wenn du die anderen sauber wegschneidest, sitzt der Kopf nie richtig im Bild, und oft sieht man Schultern, die dir nicht gehören.
Checkliste vor dem Abschicken#
- Licht von vorne, keine harten Schatten im Gesicht
- Hintergrund ruhig, hell, ohne Ablenkung
- Abstand rund ein Meter, kein Selfie-Arm sichtbar
- Schulterporträt, Blick in die Kamera, leichtes Lächeln
- Kleidung wie im Job, eine Stufe ordentlicher, ohne laute Muster
- Datei als JPEG, 200 bis 500 KB, sinnvoller Dateiname
- Foto rechts oben im Lebenslauf, etwa drei bis vier Zentimeter breit
- Lebenslauf vorher durch den ATS-Check gejagt
Wenn das Foto steht, fehlt nur noch die passende Stelle. Schau bei den aktuelle Stellenangebote vorbei, oder filter gezielt nach den Jobs in Deutschland, wenn du über die Grenze schaust.
Häufige Fragen#
Wie aktuell muss das Bewerbungsfoto sein?
Es sollte höchstens ein bis zwei Jahre alt sein und so aussehen, wie du heute im Vorstellungsgespräch sitzt. Frisur, Brille, Bart: Wenn sich etwas geändert hat, mach ein neues Foto.
Brauche ich wirklich ein Fotostudio?
Nein. Ein Smartphone mit gutem Tageslicht und jemandem, der dich fotografiert, reicht für die meisten Branchen aus. Ein Studio lohnt sich, wenn du dich vor der Kamera unwohl fühlst oder in sehr konservativen Feldern wie Banken oder Kanzleien bewirbst.
Welche Hintergrundfarbe ist die richtige?
Weiß, Hellgrau oder ein sehr helles Blau funktionieren fast überall. Wichtig ist vor allem, dass der Hintergrund ruhig ist und keine Muster, Türen oder Möbelstücke zeigt. Dunkle Hintergründe können wirken, sind aber für klassische Branchen die falsche Wahl.
Soll ich im Foto lächeln?
Ein leichtes Lächeln reicht, kein breites Grinsen und kein strenger Ernst. Der Blick geht direkt in die Kamera. Wenn du unsicher bist, lass dich von jemandem fotografieren, dem du vertraust, das entspannt das Gesicht sofort.
Was mache ich, wenn mein Lebenslauf-Layout mit dem Foto nicht funktioniert?
Manche Vorlagen verschieben das Foto oder lassen Text darüberlaufen. Dann prüf die Datei zuerst mit dem kostenlosen ATS-Check, weil genau solche Layoutfehler oft dafür sorgen, dass Bewerbermanagement-Systeme den Lebenslauf unvollständig lesen.
Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.