Bewerbung in der Schweiz: was anders ist
Dein deutsches Bewerbungsschreiben kommt in der Schweiz nicht an. Zu viel Superlativ, zu wenig Fakten, und die Arbeitszeugnisse fehlen oft komplett. Genau die sind hier Pflicht.
Das Dossier hat feste Bestandteile#
In der Schweiz hat eine Bewerbung mehrere Teile, und die Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Oben liegt das Motivationsschreiben, danach der Lebenslauf, danach die Arbeitszeugnisse, danach Diplome und Abschlüsse, und ganz hinten die Referenzen. Wer das durcheinander schickt, wirkt, als hätte er sich nicht informiert.
Das Motivationsschreiben bleibt kurz. Eine Seite, maximal. Der Recruiter überfliegt deine Bewerbung zuerst, und wenn im ersten Absatz nur Adjektive stehen, ist sie weg. Kein zweiter Blick.
Arbeitszeugnisse sind in der Schweiz das zentrale Dokument. Deutsche kennen das qualifizierte Zeugnis, hier ist die Zeugnissprache noch strenger kodifiziert, weil Personaler sie wie ein Wörterbuch lesen. Ein Satz wie "verlässt uns auf eigenen Wunsch" trägt mehr Bedeutung, als du auf den ersten Blick denkst, und erfahrene Recruiter ziehen daraus sofort ihre Schlüsse. Lern die Codes.
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Referenzen werden wirklich angerufen#
Das ist der grösste Unterschied zu Deutschland. In der Schweiz gibst du Referenzpersonen mit Name, Funktion, Firma, Telefonnummer und E-Mail an, und die werden wirklich angerufen. Nicht als Formsache. Echt.
Such dir zwei bis drei frühere Vorgesetzte oder Kundinnen aus, frag sie vorher, und sag ihnen genau, für welche Stelle du dich bewirbst. Eine Referenz, die nicht vorbereitet ist, sagt im Telefonat genau das Falsche, und das kostet dich die Stelle, ohne dass du es je erfährst. Bereite sie vor.
Firmen fragen bei Referenzen gern nach deiner Arbeitsweise, deiner Konfliktfähigkeit und deiner Pünktlichkeit. Drei Punkte, die in der Schweiz höher gewertet werden als in vielen anderen Ländern, und die deine Referenzperson nicht perfekt beantworten muss, aber sie darf darüber nicht überrascht sein. Überraschung wirkt hier schlecht.
Das Foto ist üblich#
Ein Bewerbungsfoto gehört in der Schweiz auf den Lebenslauf, meist oben rechts. Kein Pflichtfeld. Aber ohne Foto wirkt die Bewerbung unvollständig, und das ist in einem Land, das auf Sorgfalt achtet, kein gutes erstes Signal.
Ein neutrales Businessfoto, Schulteransicht, heller Hintergrund. Keine Partybilder aus dem letzten Sommer. Das klingt banal, passiert aber öfter, als du denkst.
Der Ton bleibt sachlich#
Schweizer Personaler lesen Übertreibung als Unsicherheit. Schreib "Ich habe das Budget verantwortet" statt "Ich habe das Budget mit beeindruckendem Erfolg gesteuert". Konkrete Zahlen, klare Fakten, kein Werbesprech.
Auch im Motivationsschreiben bleibt der Ton zurückhaltend. Du erklärst, warum du die Stelle willst und warum du passt, und das reicht, denn alles, was nach Motivationsseminar klingt, wirkt hier deplatziert und lässt den Leser an deiner Selbsteinschätzung zweifeln. Weniger ist mehr.
Sprachregionen beachten#
Die Schweiz hat vier Sprachregionen, und deine Bewerbung muss zur Region passen. Im Raum Zürich, Basel und Bern schreibst du auf Deutsch. In der Romandie, also Genf, Lausanne oder Neuchâtel, auf Französisch. Im Tessin auf Italienisch.
Bei zweisprachigen Stellen ist die Bewerbungssprache meist die Sprache der Stellenausschreibung, denn wenn die Ausschreibung auf Deutsch ist, bewirbst du dich auf Deutsch, auch wenn die Firma intern Englisch spricht. Und Schweizer Hochdeutsch ohne ß, das ist kein Detail, das ist Erwartung. Kein ß. Immer.
Gehalt als Jahresbrutto angeben#
In der Schweiz wird das Gehalt als Jahresbrutto angegeben, oft aufgeteilt in 13 Monatslöhne. Das steht in der Ausschreibung oder kommt im Gespräch, und du gibst im Anschreiben oder im Formular eine Gehaltsvorstellung als Jahresbrutto an. Nicht Monatslohn.
Nenne keine Beträge in diesem Artikel, weil die Spannen je nach Branche, Region und Funktion stark schwanken. Wo du konkrete Zahlen brauchst, schau in die Stellenausschreibung, in den Gesamtarbeitsvertrag deiner Branche oder auf die offiziellen Seiten des Staatssekretariats für Wirtschaft, und was am Ende im Vertrag steht, gilt. Nichts anderes.
Wo du suchen solltest#
Die grossen Jobportale sind jobs.ch und jobup.ch für die Romandie. Dazu kommt LinkedIn und die direkte Bewerbung über die Firmenwebsite, was in der Schweiz besser funktioniert als in Deutschland, weil viele Mittelbetriebe ihre Stellen nur dort ausschreiben. Direkt bewerben lohnt sich.
Bist du bereits in der Schweiz gemeldet, ist auch das regionale RAV eine Anlaufstelle, allerdings mit klaren Voraussetzungen, die du vorher klären solltest. Schau dir unsere aktuelle Stellenangebote an, dort findest du eine breite Auswahl über Branchen hinweg. Für eine gezielte Suche nimm die Jobs in der Schweiz, die nach Land gefiltert sind.
Aufenthaltsrecht kurz erklärt#
EU/EFTA-Bürger profitieren von der Personenfreizügigkeit, das heisst, du kannst in der Schweiz arbeiten, ohne dass die Firma eine Bewilligung für dich beantragen muss. Die Details hängen aber von deiner Nationalität, der Dauer des Arbeitsverhältnisses und deiner Situation ab, und die ändern sich. Prüf nach.
Prüf die aktuellen Voraussetzungen auf der offiziellen Seite des Staatssekretariats für Migration, bevor du unterschreibst. Wer die Einreise und das Aufenthaltsrecht von Deutschland aus plant, findet in unserem Artikel Arbeiten in der Schweiz die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Lies ihn vor der Zusage.
Der Lebenslauf im Detail#
Der Schweizer Lebenslauf ist tabellarisch, antichronologisch, und meist zwei Seiten lang. Foto oben rechts, Kontaktdaten mit Telefonnummer, und eine klare Struktur aus Ausbildung, Berufserfahrung, Sprachen und IT-Kenntnissen. Sauber und übersichtlich.
Lücken musst du nicht kaschieren, aber du solltest sie erklären können, denn ein Jahr Reisen ist kein Problem, während ein Jahr ohne Erklärung im Raum steht und im Gespräch unbequem wird. Und prüf deinen Lebenslauf vor dem Absenden auf die Lesbarkeit durch Systeme, die viele Firmen nutzen: der kostenlose ATS-Check zeigt dir in zwei Minuten, ob deine Struktur sauber ist.
Checkliste für dein Dossier#
- Motivationsschreiben, eine Seite, sachlicher Ton
- Lebenslauf tabellarisch mit Foto oben rechts
- Alle Arbeitszeugnisse der letzten Jahre, lückenlos
- Diplome, Abschlussurkunden, Weiterbildungen
- Referenzen mit Name, Funktion, Firma, Telefon, E-Mail
- Gehaltsvorstellung als Jahresbrutto, an die Ausschreibung angepasst
- Rechtschreibung ohne ß, Schweizer Hochdeutsch
- Dateiname mit deinem Namen und "Bewerbung"
Häufige Fragen#
Wie lang darf das Motivationsschreiben sein?
Eine Seite ist der Standard, alles darüber hinaus wirkt in der Schweiz unstrukturiert. Wenn du drei Absätze mit Einleitung, Motivation und Passung unterbringst, ist das genug.
Muss ich meine Zeugnisse übersetzen lassen?
Wenn deine Zeugnisse auf Deutsch, Französisch oder Italienisch sind, meist nicht. Bei anderen Sprachen frag bei der Firma nach, was sie verlangen, und lass notfalls eine beglaubigte Übersetzung beilegen.
Nenne ich im Lebenslauf mein Gehalt?
Nein, die Gehaltsvorstellung kommt ins Motivationsschreiben oder ins Bewerbungsformular, nicht in den Lebenslauf. Gib sie als Jahresbrutto an, passend zur Ausschreibung.
Was ist mit Zeugnislücken?
Erklär Lücken im Lebenslauf kurz und ehrlich, ohne grosse Ausreden. Wenn du im Gespräch danach gefragt wirst, sag was Sache ist, das kommt in der Schweiz besser an als eine erfundene Geschichte.
Wie finde ich heraus, was ein Job zahlt, wenn nichts steht?
Schau in den Gesamtarbeitsvertrag deiner Branche, frag in deinem Netzwerk direkt nach, und nutz die Stellenausschreibungen ähnlicher Firmen als Referenz. Am Ende zählt, was im Vertrag steht, also lies den vor der Unterschrift genau durch.
Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.