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Gehaltsverhandlung im ersten Job 2026: Anfänger-Guide

JobRise Team17 min read

162 Bewerbungen pro Zusage, Durchschnitt 2026.

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Du sitzt kurz vor dem ersten Jobangebot und dein Bauch macht dieses komische Ding. Einerseits: endlich raus aus Bewerbungen, Ghosting und „wir melden uns zeitnah“. Andererseits: Was, wenn du zu wenig verlangst und die nächsten zwei Jahre mit einem Einstiegsgehalt lebst, das eigentlich 6.000 € höher sein könnte?

Gehaltsverhandlung im ersten Job 2026: Anfänger-Guide#

Gerade beim ersten Job fühlt sich Gehaltsverhandlung schnell frech an.

Du denkst vielleicht: „Ich habe doch noch keine Berufserfahrung. Kann ich überhaupt verhandeln?“

Ja, kannst du. Und du solltest es auch.

Nicht aggressiv. Nicht mit Pokerface wie in einer Netflix-Serie. Sondern vorbereitet, freundlich und klar.

2026 ist der Arbeitsmarkt für Einsteiger gemischt. In manchen Rollen gibt es viele Bewerber, in anderen suchen Firmen immer noch dringend gute Leute. SAP, Siemens, BMW, Personio, N26, Trade Republic oder Delivery Hero stellen weiterhin Berufseinsteiger ein, aber sie achten stärker auf Skills, Motivation und schnelle Lernkurven.

Die gute Nachricht: Dein erstes Gehalt ist kein zufälliger Glückstreffer. Du kannst es aktiv beeinflussen.

Warum dein erstes Gehalt so wichtig ist#

Viele unterschätzen, wie stark dein Einstiegsgehalt deinen weiteren Weg prägt.

Wenn du mit 42.000 € startest statt mit 48.000 €, klingt das erst mal nach „nur“ 500 € brutto im Monat. Aber nach zwei Jahren, Gehaltserhöhungen und möglichem Jobwechsel kann daraus ein deutlich größerer Unterschied werden.

Denn viele Gehaltserhöhungen orientieren sich am aktuellen Gehalt.

Beispiel:

  1. Person A startet mit 42.000 €
  2. Person B startet mit 48.000 €
  3. Beide bekommen nach einem Jahr 5 Prozent mehr
  4. Person A liegt dann bei 44.100 €
  5. Person B liegt dann bei 50.400 €

Der Abstand wächst also weiter.

Und beim nächsten Jobwechsel fragt dich der Recruiter oft: „Wo liegen deine Gehaltsvorstellungen?“ Dann denkst du automatisch in Relation zu deinem aktuellen Gehalt.

Deshalb ist die erste Verhandlung nicht nur ein nettes Extra. Sie ist ein Startpunkt.

Was ist 2026 ein realistisches Einstiegsgehalt?#

Jetzt wird es konkret.

Die folgenden Zahlen sind grobe Orientierungen für Deutschland und teilweise Österreich, abhängig von Stadt, Branche, Abschluss, Praktika, Skills und Unternehmensgröße. München zahlt oft mehr als Leipzig. Ein Konzern wie BMW oder Siemens hat andere Budgets als ein kleiner Mittelständler. Berlin bei N26 oder Trade Republic kann stark rollenabhängig sein.

Typische Einstiegsgehälter 2026 in Deutschland:

  1. Software Engineer Junior: 50.000 € bis 65.000 €
  2. Data Analyst Junior: 45.000 € bis 58.000 €
  3. Product Manager Associate: 48.000 € bis 60.000 €
  4. Marketing Manager Junior: 38.000 € bis 48.000 €
  5. Sales Development Representative: 38.000 € bis 50.000 € fix, plus Bonus
  6. HR Generalist Junior: 38.000 € bis 48.000 €
  7. Finance Analyst Junior: 45.000 € bis 58.000 €
  8. Maschinenbauingenieur Junior: 50.000 € bis 62.000 €
  9. Wirtschaftsingenieur Junior: 50.000 € bis 64.000 €
  10. Consulting Analyst: 48.000 € bis 65.000 €

In Österreich liegen viele Einstiegsgehälter ähnlich, teils etwas niedriger oder stärker durch Kollektivverträge geprägt. In Wien kann ein Junior Data Analyst zum Beispiel bei 42.000 € bis 52.000 € liegen.

In Deutschland können Berufseinsteiger bei SAP in technischen Rollen oft im Bereich von 55.000 € bis 68.000 € landen. Bei Siemens sind für Ingenieurrollen 52.000 € bis 65.000 € realistisch. Bei BMW können technische Einstiegsrollen ebenfalls bei 55.000 € bis 70.000 € liegen, je nach Tarif, Standort und Abschluss.

Bei Startups wie Personio, N26, Trade Republic oder Delivery Hero hängt es stark von Rolle, Level und Team ab. Junior Business oder Operations Rollen können bei 40.000 € bis 52.000 € liegen, technische Rollen eher bei 55.000 € bis 70.000 €.

Wichtig: Du brauchst keine perfekte Zahl. Du brauchst einen sinnvollen Korridor.

Der größte Anfängerfehler: zu früh eine Zahl nennen#

Viele Bewerber sagen im ersten Gespräch direkt eine Zahl, weil sie nervös sind.

Recruiter: „Was sind denn deine Gehaltsvorstellungen?“

Du: „Also, ich dachte so an 42.000 €, aber ich bin flexibel.“

Autsch.

Damit hast du drei Dinge gemacht:

  1. Du hast vielleicht zu niedrig angesetzt
  2. Du hast dich sofort verhandelbar gemacht
  3. Du hast ohne Kontext eine Zahl genannt

Besser ist, wenn du erst mal Informationen sammelst.

Zum Beispiel so:

„Ich möchte gern erst die Rolle, den Verantwortungsumfang und das Gesamtpaket besser verstehen. Auf Basis meiner Recherche liegt ein marktüblicher Einstieg für diese Position ungefähr zwischen 50.000 € und 56.000 €. Wenn das grundsätzlich zu eurem Rahmen passt, können wir sehr gern weiter ins Detail gehen.“

Das klingt erwachsen. Nicht arrogant. Nicht unsicher.

Du gibst einen Rahmen, aber du klebst dich nicht an eine einzelne Zahl.

So findest du deine Gehaltsspanne#

Du brauchst keine geheimen Insiderdaten. Du brauchst drei bis fünf solide Quellen.

Nutze zum Beispiel:

  1. Kununu Gehaltscheck
  2. Glassdoor
  3. Stepstone Gehaltsreport
  4. LinkedIn Gehaltseinblicke
  5. Tarifinformationen, falls relevant
  6. Gespräche mit Alumni oder früheren Praktikumskollegen
  7. Jobanzeigen mit Gehaltsangaben, besonders in Österreich und zunehmend auch Deutschland

Dann machst du dir eine einfache Tabelle.

Spalten:

  1. Quelle
  2. Rolle
  3. Stadt
  4. Unternehmensart
  5. Gehaltsspanne
  6. Notiz

Beispiel für Junior Data Analyst in Berlin:

  1. Glassdoor: 45.000 € bis 55.000 €
  2. Stepstone: 48.000 € Durchschnitt
  3. LinkedIn Jobs: Anzeige mit 46.000 € bis 52.000 €
  4. Gespräch mit Ex-Kommilitone bei N26: 50.000 €
  5. Startup Anzeige: 44.000 € bis 50.000 €

Daraus könntest du sagen: „Meine Zielspanne liegt bei 50.000 € bis 55.000 €.“

Nicht bei 45.000 €. Nicht bei „mir egal“. Und auch nicht bei 70.000 €, wenn du keine besonderen Argumente hast.

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Deine Zielzahl, Schmerzgrenze und Wunschzahl#

Bevor du in ein Gespräch gehst, brauchst du drei Zahlen.

1. Deine Wunschzahl

Das ist die Zahl, mit der du sehr zufrieden wärst.

Beispiel: 56.000 €

2. Deine Zielzahl

Das ist die Zahl, die realistisch und gut ist.

Beispiel: 52.000 €

3. Deine Schmerzgrenze

Das ist die Zahl, unter der du den Job nur annimmst, wenn andere Faktoren extrem gut sind.

Beispiel: 47.000 €

Diese drei Zahlen solltest du vorher kennen. Nicht erst im Gespräch.

Denn im Gespräch bist du vielleicht nervös, willst sympathisch wirken und sagst schneller Ja, als du eigentlich wolltest.

Kleiner Tipp: Schreib deine Zahlen auf einen Zettel oder in ein Dokument, das du beim Videocall offen hast.

Was zählt außer dem Fixgehalt?#

Beim ersten Job schaust du wahrscheinlich zuerst aufs Jahresbrutto. Verständlich.

Aber das Gesamtpaket kann viel ausmachen.

Achte auf:

  1. Bonus
  2. Weihnachtsgeld
  3. Urlaubsgeld
  4. Aktien oder virtuelle Anteile
  5. Betriebliche Altersvorsorge
  6. Lernbudget
  7. Jobticket oder Deutschlandticket
  8. Essenszuschuss
  9. Homeoffice Ausstattung
  10. Remote Regelung
  11. Urlaubstage
  12. Überstundenregelung
  13. Probezeit und Kündigungsfrist
  14. Gehaltsreview nach sechs oder zwölf Monaten

Beispiel:

Angebot A: 50.000 €, 28 Urlaubstage, kein Bonus, wenig Flexibilität.

Angebot B: 48.000 €, 30 Urlaubstage, 2.000 € Lernbudget, Deutschlandticket, Homeoffice, Gehaltsreview nach sechs Monaten.

Angebot B kann besser sein, wenn du Wert auf Entwicklung und Alltag legst.

Aber Vorsicht: Lass dich nicht mit „tollen Benefits“ abspeisen, wenn das Grundgehalt klar zu niedrig ist. Obstkorb bezahlt keine Miete.

Wie du deinen Wert begründest, obwohl du Anfänger bist#

Der Klassiker im Kopf: „Ich habe noch nichts geleistet.“

Stimmt nicht.

Du hast vielleicht noch keine fünf Jahre Berufserfahrung, aber du bringst trotzdem Wert mit.

Mögliche Argumente:

  1. Praktika bei relevanten Firmen
  2. Werkstudentenjobs
  3. Abschlussarbeit mit Praxisbezug
  4. Projekte aus Uni, Bootcamp oder Ehrenamt
  5. Technische Skills
  6. Branchenwissen
  7. Sprachen
  8. Kundenkontakt
  9. Tools wie Excel, SQL, Python, Salesforce, HubSpot, Figma, Power BI
  10. Schnelle Verfügbarkeit
  11. Umzugbereitschaft
  12. Gute Noten, wenn relevant
  13. Empfehlung durch Netzwerk

Beispiel für Data Analyst:

„Ich habe im Praktikum bereits Dashboards in Power BI gebaut, SQL-Abfragen geschrieben und mit Stakeholdern aus Sales zusammengearbeitet. Deshalb sehe ich mich nicht bei einem absoluten Einstieg ohne Praxiserfahrung, sondern eher im mittleren Einstiegssegment.“

Beispiel für Marketing:

„Ich habe als Werkstudent Kampagnen auf LinkedIn und Google Ads betreut, Reportings erstellt und Landingpages getestet. Deshalb halte ich 46.000 € bis 49.000 € für marktgerecht.“

Beispiel für Engineering:

„Durch meine Abschlussarbeit im Bereich Produktionsoptimierung und mein Praktikum in der Automobilindustrie bringe ich bereits praktische Erfahrung mit. Für eine Einstiegsrolle in München sehe ich daher 58.000 € als passend.“

Du musst dich nicht aufplustern. Du musst nur deine Argumente sauber verbinden.

Der perfekte Satz für deine Gehaltsvorstellung#

Du brauchst keinen langen Monolog.

Hier sind Formulierungen, die du fast direkt übernehmen kannst.

Wenn du nach deiner Gehaltsvorstellung gefragt wirst

„Auf Basis meiner Recherche und der Anforderungen der Rolle sehe ich eine marktgerechte Spanne bei 52.000 € bis 58.000 € brutto jährlich. Wenn die Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten passen, bewege ich mich gern in diesem Rahmen.“

Wenn du wenig Erfahrung hast

„Mir ist bewusst, dass es eine Einstiegsrolle ist. Gleichzeitig bringe ich durch meine Praktika und Projekte bereits relevante Praxis mit. Deshalb halte ich 50.000 € bis 54.000 € für angemessen.“

Wenn du noch nicht genug Infos hast

„Ich möchte gern erst den genauen Verantwortungsumfang verstehen, bevor ich mich festlege. Nach meiner bisherigen Recherche liegt die Rolle vermutlich im Bereich von 48.000 € bis 55.000 €. Passt das ungefähr zu eurem Budget?“

Wenn sie eine niedrigere Zahl nennen

„Danke für die Offenheit. Die 45.000 € liegen etwas unter meiner Erwartung, weil vergleichbare Rollen nach meiner Recherche eher bei 50.000 € bis 54.000 € liegen. Gibt es Spielraum beim Fixgehalt?“

Wenn wirklich kein Gehaltsspielraum da ist

„Wenn das Fixgehalt nicht veränderbar ist, könnten wir über einen verbindlichen Gehaltsreview nach sechs Monaten sprechen, sobald ich die ersten Ziele erreicht habe?“

Das ist stark. Du bleibst höflich, aber du nimmst dich ernst.

Wie du auf „Das ist für Einsteiger zu hoch“ reagierst#

Dieser Satz kann kommen.

Nicht erschrecken.

Antwort:

„Ich verstehe den Punkt. Meine Einschätzung basiert auf meiner Recherche zu vergleichbaren Einstiegsrollen und auf meiner bisherigen Praxiserfahrung durch Praktika und Projekte. Welche Spanne ist denn für diese Position intern vorgesehen?“

Damit drehst du die Frage sauber zurück.

Du willst wissen, ob sie wirklich kein Budget haben oder nur testen, ob du sofort einknickst.

Wenn sie sagen: „Unser Rahmen liegt bei 46.000 € bis 48.000 €“, kannst du überlegen.

Wenn deine Zielzahl 52.000 € war, hast du Optionen:

  1. Du fragst nach 49.000 € oder 50.000 €
  2. Du verhandelst Zusatzleistungen
  3. Du verhandelst ein Review nach sechs Monaten
  4. Du lehnst ab, wenn es nicht passt

Wichtig: Nicht persönlich nehmen. Gehalt ist ein Business-Thema.

Timing: Wann verhandelst du im Bewerbungsprozess?#

Nicht zu früh, nicht zu spät.

Grob gilt:

  1. Im ersten Screening: grobe Spanne klären
  2. Nach fachlichen Gesprächen: Wert zeigen
  3. Beim Angebot: konkret verhandeln
  4. Vor Vertragsunterschrift: finale Details fixieren

Im ersten Gespräch geht es meist darum, ob ihr grob zusammenpasst.

Wenn du 65.000 € willst und das Budget bei 42.000 € liegt, spart ihr beide Zeit.

Aber die beste Verhandlungsposition hast du, wenn die Firma dich will. Also nach den Interviews, wenn sie dir ein Angebot machen.

Dann ist der Moment für:

  1. Fixgehalt
  2. Startdatum
  3. Urlaubstage
  4. Bonus
  5. Remote Regelung
  6. Weiterbildungsbudget
  7. Gehaltsreview

Nicht erst nach der Unterschrift. Danach wird es schwieriger.

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Was du niemals sagen solltest#

Ein paar Sätze killen deine Verhandlungsposition sofort.

Bitte vermeide:

  1. „Ich weiß nicht, was üblich ist.“
  2. „Mir ist Geld nicht so wichtig.“
  3. „Ich nehme eigentlich alles.“
  4. „Meine Eltern meinten, 40.000 € wären okay.“
  5. „Ich will mindestens das verdienen, was mein Freund bekommt.“
  6. „Ich habe hohe Miete.“
  7. „Ich bin flexibel.“
  8. „Sorry, wenn das zu viel ist.“
  9. „Ich habe noch nie verhandelt.“
  10. „Wenn es nicht geht, ist auch okay.“

Vor allem „ich bin flexibel“ ist gefährlich.

Du kannst kooperativ sein, ohne deine eigene Zahl wegzuwerfen.

Besser:

„Mir ist wichtig, dass das Paket marktgerecht ist und zur Verantwortung passt. Ich bin offen für ein gutes Gesamtpaket, mein Ziel liegt beim Fixgehalt aber bei 52.000 €.“

Das klingt viel stärker.

Was, wenn du Angst hast, das Angebot zu verlieren?#

Sehr normal.

Fast jeder Anfänger denkt: „Wenn ich verhandle, ziehen sie das Angebot zurück.“

In seriösen Firmen passiert das selten, solange du respektvoll bleibst.

SAP, Siemens, BMW, Personio oder N26 erwarten nicht, dass Kandidaten komplett sprachlos alles unterschreiben. Recruiter kennen Gehaltsgespräche. Das ist Teil des Prozesses.

Ein Angebot wird eher zurückgezogen, wenn du:

  1. unhöflich bist
  2. plötzlich völlig unrealistische Forderungen stellst
  3. drohst
  4. falsche Angebote erfindest
  5. dich widersprüchlich verhältst
  6. nach Zusage immer wieder neu verhandelst

Wenn du sagst: „Ich freue mich sehr über das Angebot. Ich würde gern noch über das Gehalt sprechen, weil meine Zielvorstellung etwas höher liegt“, ist das völlig normal.

Du bist kein Problemfall. Du bist erwachsen.

Beispielverhandlung per E-Mail#

Viele Einsteiger verhandeln lieber schriftlich. Gute Idee, wenn du am Telefon schnell nervös wirst.

Hier ein Beispiel:

„Hallo Frau Schneider,

vielen Dank für das Angebot und das Vertrauen. Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, als Junior Product Manager bei Ihnen einzusteigen. Die Gespräche mit dem Team haben meinen positiven Eindruck noch verstärkt.

Beim Gehalt würde ich gern noch einmal sprechen. Das angebotene Jahresbrutto von 48.000 € liegt etwas unter meiner Zielvorstellung. Auf Basis der Rolle, meiner Praxiserfahrung aus dem Werkstudentenjob und meiner Recherche zu vergleichbaren Positionen in Berlin hatte ich eher an 52.000 € gedacht.

Wäre es möglich, das Angebot in diese Richtung anzupassen?

Viele Grüße
Max“

Kurz. Freundlich. Klar.

Wenn du willst, kannst du noch ergänzen:

„Alternativ könnten wir auch über 50.000 € plus verbindliches Gehaltsreview nach sechs Monaten sprechen.“

Das gibt der Firma einen Weg, Ja zu sagen.

Beispielverhandlung im Gespräch#

Recruiter: „Wir würden Ihnen 46.000 € anbieten.“

Du:

„Vielen Dank, ich freue mich wirklich über das Angebot. Die Rolle passt sehr gut zu dem, was ich machen möchte. Beim Gehalt hatte ich auf Basis meiner Recherche und meiner bisherigen Praxiserfahrung eher mit 50.000 € bis 53.000 € gerechnet. Gibt es hier noch Spielraum?“

Dann: Pause.

Nicht weiterreden.

Viele reden aus Nervosität direkt weiter und schwächen ihre eigene Aussage.

Nicht machen.

Lass die andere Person antworten.

Wenn sie sagt: „Ich muss das intern prüfen“, sagst du:

„Sehr gern, danke. Mir ist wichtig, dass wir eine Lösung finden, die für beide Seiten passt.“

Wenn sie sagt: „Mehr geht leider nicht“, fragst du:

„Verstehe. Wäre dann ein schriftlich vereinbartes Gehaltsreview nach sechs Monaten möglich, mit klaren Zielen für eine Anpassung?“

Verhandeln mit mehreren Angeboten#

Wenn du mehrere Angebote hast, bist du in einer stärkeren Position.

Aber bitte bleib sauber.

Sag nicht: „Firma X zahlt 60.000 €“, wenn das nicht stimmt.

Du kannst formulieren:

„Ich habe aktuell ein weiteres Angebot, das finanziell etwas höher liegt. Inhaltlich finde ich Ihre Rolle aber sehr spannend. Gibt es die Möglichkeit, beim Gehalt näher an 55.000 € zu kommen?“

Das ist fair.

Wenn du ein Angebot von Siemens über 56.000 € hast und ein Startup bietet 48.000 €, kann das Startup vielleicht nicht mithalten. Aber vielleicht bietet es schnellere Verantwortung, Remote, Equity oder ein besseres Lernumfeld.

Trotzdem solltest du den Unterschied nicht ignorieren. 8.000 € brutto pro Jahr sind echtes Geld.

Besonderheiten bei Tarifunternehmen#

Bei BMW, Siemens, Bosch, Airbus oder vielen Chemieunternehmen gibt es oft Tarifstrukturen.

Das bedeutet: Weniger individuelle Verhandlung beim Grundgehalt, aber oft gute Pakete.

Du kannst trotzdem Fragen stellen:

  1. In welche Entgeltgruppe werde ich eingestuft?
  2. Welche Erfahrungsstufe gilt für mich?
  3. Wann erfolgt die nächste Stufenentwicklung?
  4. Gibt es Leistungszulagen?
  5. Gibt es Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld?
  6. Wie viele Wochenstunden sind vereinbart?
  7. Werden Überstunden bezahlt oder ausgeglichen?
  8. Gibt es eine Ergebnisbeteiligung?

Manchmal ist das Gehalt in Tarifunternehmen höher, als es auf den ersten Blick wirkt.

Beispiel: 58.000 € Grundgehalt plus Sonderzahlungen, 35-Stunden-Woche und 30 Urlaubstage können deutlich besser sein als 60.000 € bei 40 bis 45 Stunden im Startup.

Rechne also auch deinen Stundenlohn.

Frauen und Gehaltsverhandlung im ersten Job#

Wichtiges Thema.

Viele Studien zeigen, dass Frauen im Schnitt seltener oder vorsichtiger verhandeln, gerade beim Berufseinstieg. Das ist kein persönliches Defizit, sondern oft Ergebnis von Erwartungen, Unsicherheit und schlechten Erfahrungen.

Trotzdem: Bitte verhandle.

Nicht, weil du „härter“ werden musst. Sondern weil du fair bezahlt werden solltest.

Drei praktische Tipps:

  1. Nutze Marktdaten statt Bauchgefühl
  2. Sprich über die Rolle und den Wert, nicht über Bedürftigkeit
  3. Übe den Satz laut mit einer Freundin oder einem Freund

Beispiel:

„Für vergleichbare Junior Finance Rollen in Frankfurt sehe ich marktübliche Einstiegsgehälter zwischen 50.000 € und 56.000 €. Durch mein Praktikum im Controlling und meine Excel- und Power-BI-Erfahrung halte ich 53.000 € für passend.“

Das ist sachlich. Stark. Nicht unangenehm.

Internationale Unternehmen und Englisch#

Bei Firmen wie SAP, Delivery Hero, N26, Trade Republic oder Personio kann das Gespräch auf Englisch laufen.

Dann brauchst du eine klare Formulierung.

Zum Beispiel:

„Based on my research and the scope of the role, I was expecting a salary range between €52k and €56k gross per year. Considering my internship experience and relevant skills, I believe €54k would be a fair starting point.“

Oder:

„I’m very excited about the offer and the team. The salary is slightly below my expectations. Would there be any flexibility to move closer to €55k?“

Du musst nicht klingen wie ein Investmentbanker. Klar und höflich reicht.

Wenn das Angebot wirklich zu niedrig ist#

Manchmal ist die Antwort leider: passt nicht.

Wenn dir eine Firma für eine Junior Software Rolle in München 42.000 € bietet, während du realistisch 55.000 € erwarten kannst, ist das ein Warnsignal.

Nicht jede Chance ist eine gute Chance.

Prüfe dann:

  1. Lernst du dort extrem viel?
  2. Ist der Markenname stark?
  3. Ist das Team richtig gut?
  4. Gibt es ein schriftliches Review nach sechs Monaten?
  5. Sind Arbeitszeit und Flexibilität top?
  6. Kannst du dir das Leben mit dem Gehalt leisten?
  7. Hast du bessere Alternativen?

Wenn mehrere Punkte Nein sind, darfst du absagen.

Absagebeispiel:

„Vielen Dank für das Angebot und die angenehmen Gespräche. Ich habe mich nach sorgfältiger Prüfung entschieden, das Angebot nicht anzunehmen, da das Gesamtpaket nicht zu meinen aktuellen Vorstellungen passt. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Besetzung der Position.“

Professionell. Kein Drama.

Deine Mini-Checkliste vor der Verhandlung#

Bevor du ins Gespräch gehst, geh diese Liste durch.

  1. Kenne ich die marktübliche Spanne?
  2. Habe ich mindestens drei Quellen?
  3. Habe ich Wunschzahl, Zielzahl und Schmerzgrenze?
  4. Kann ich meine Zahl mit drei Argumenten begründen?
  5. Kenne ich die wichtigsten Benefits?
  6. Weiß ich, was mir außer Geld wichtig ist?
  7. Habe ich meine Formulierung laut geübt?
  8. Habe ich eine Antwort auf ein niedriges Gegenangebot?
  9. Bin ich bereit, kurz zu schweigen?
  10. Weiß ich, wann ich ablehne?

Wenn du sieben von zehn Punkten klar beantworten kannst, bist du besser vorbereitet als die meisten.

Ein realistisches Beispiel von Anfang bis Ende#

Nehmen wir Lisa.

Lisa hat BWL studiert, ein Praktikum bei Siemens im Controlling gemacht und war Werkstudentin bei einem SaaS-Startup. Sie bewirbt sich bei Personio in München auf eine Junior Finance Rolle.

Ihre Recherche:

  1. Junior Finance München: 48.000 € bis 58.000 €
  2. SaaS-Unternehmen: 50.000 € bis 56.000 €
  3. Eigene Erfahrung: relevant, aber noch Einsteigerin

Ihre Zahlen:

  1. Wunschzahl: 56.000 €
  2. Zielzahl: 53.000 €
  3. Schmerzgrenze: 49.000 €

Im Recruiter Call sagt sie:

„Auf Basis meiner Recherche und meiner bisherigen Erfahrung sehe ich für die Rolle eine Spanne von 52.000 € bis 56.000 € als marktgerecht.“

Nach drei Gesprächen bekommt sie ein Angebot: 50.000 €.

Sie antwortet:

„Vielen Dank für das Angebot, ich freue mich sehr. Beim Gehalt hatte ich aufgrund der Rolle und meiner Praxiserfahrung eher an 54.000 € gedacht. Gibt es hier noch Spielraum?“

Personio kommt zurück mit 52.000 € plus 1.500 € Lernbudget und Review nach sechs Monaten.

Lisa nimmt an.

War das Maximum möglich? Vielleicht nicht.

War es deutlich besser als sofort Ja zu 50.000 € zu sagen? Ja.

Und genau darum geht es.

Fazit: Du darfst verhandeln, auch im ersten Job#

Gehaltsverhandlung im ersten Job fühlt sich größer an, als sie ist.

Du musst nicht hart, laut oder perfekt sein. Du brauchst Vorbereitung, Marktdaten und ein paar klare Sätze.

Merke dir:

  1. Dein erstes Gehalt prägt die nächsten Jahre
  2. Eine Spanne ist besser als eine einzelne Zahl
  3. Du brauchst Wunschzahl, Zielzahl und Schmerzgrenze
  4. Praktika, Werkstudentenjobs und Projekte zählen
  5. Seriöse Firmen erwarten Verhandlung
  6. Schweigen nach deiner Zahl ist erlaubt
  7. Ein gutes Gesamtpaket zählt, aber Fixgehalt bleibt wichtig

Und bitte: Entschuldige dich nicht für eine faire Gehaltsvorstellung.

Wenn du gerade Bewerbungen verschickst, hängt deine Verhandlungsposition auch stark an deinem Lebenslauf. Je klarer dein CV zeigt, was du kannst, desto leichter wird das Gespräch über 50.000 €, 55.000 € oder 60.000 €. Lass deshalb deinen Lebenslauf kostenlos prüfen mit dem ATS-Checker von JobRise: https://jobrise.io/de/free-ats-checker/

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Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.

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