Entlassen from Google: What Next
Deine Kündigung kam aus einem Meeting, das keine fünfzehn Minuten dauerte, und jetzt sitzt du da und fragst dich, was du falsch gemacht hast. Die ehrliche Antwort: wahrscheinlich nichts. Google hat in den letzten Jahren mehrfach ganze Teams gestrichen, unabhängig von der individuellen Leistung, und das gleiche Bild siehst du bei Meta, Amazon, Microsoft und einer Reihe kleinerer Tech-Firmen. Was du jetzt machst, entscheidet über die nächsten Monate. Also legen wir los.
Erst die Geschichte gerade rücken#
Der größte Fehler, den ich bei Entlassenen aus großen Tech-Firmen sehe: Sie entschuldigen sich im Anschreiben oder im Gespräch für etwas, das nicht ihre Schuld war. Das wirkt unsicher. Unsicherheit kostet dich mehr Geld als die Entlassung selbst.
Deine Formulierung für Bewerbungen und Gespräche sollte drei Dinge enthalten: den Kontext, die Fakten zu deiner Leistung, und den Blick nach vorn. Konkret, in einem Satz: "Mein Team wurde im Rahmen einer globalen Restrukturierung aufgelöst, meine letzte Leistungsbeurteilung war 'Exceeds Expectations', und ich suche jetzt wieder ein Umfeld, in dem ich [konkretes Problem] lösen kann."
Sag nie "leider entlassen", sag nie "wenn Sie mich trotzdem noch wollen". Sag auch nicht "es war eine tolle Zeit, aber". Kurzer Satz, Fakten, weiter.
Was du auf LinkedIn schreibst
Kein dramatischer Abschiedsbeitrag. Ein nüchterner Satz in der About-Sektion reicht: "Bis [Monat] [Jahr] als [Rolle] bei Google, Team [X] wurde im Rahmen einer Restrukturierung aufgelöst. Ich suche jetzt Rollen als [Zielrolle] in [Branche/Ort]." Das ist Suchmaschinen-freundlich und nimmt Recruitern die erste Frage ab.
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Wer stellt Ex-Google-Leute ein#
Manche Firmen haben sich darauf spezialisiert, Tech-Entlassene abzufangen, weil sie wissen, dass dort Leute mit hohem Niveau unter Zeitdruck sind. Dazu gehören in Deutschland und Europa vor allem die großen Cloud- und Enterprise-Anbieter, die Beratungen mit Tech-Practices, und die wachsenden KI-Firmen, die seit zwei, drei Jahren massiv Personal aus den Big-Tech-Teams abwerben.
Auch große deutsche Konzerne, Banken und Versicherer mit eigenen Digitaltochtern stellen Ex-Google gezielt ein, meist über ihre Tech-Recruiting-Teams, nicht über die Standard-Ausschreibungen. Und Mittelständler mit Digitalprojekten zahlen zwar weniger, geben dir aber oft mehr Verantwortung und sind weniger zyklisch als die Tech-Riesen.
Praktisch heißt das: Geh nicht nur auf die großen Jobbörsen. Nutze die Suche auf unserer Jobübersicht, filtere nach Rolle und Ort, und schau gezielt nach Firmen, die in den letzten Wochen viele Tech-Stellen geöffnet haben. Parallel lohnt ein Blick in die Fachbeiträge auf unserem Blog, wo wir aktuelle Entwicklungen im deutschen Tech-Jobmarkt besprechen.
Deine Hebel, die du aus Google mitbringst#
Du hast Dinge gelernt, die in deutschen Firmen selten sind: Du arbeitest an Systemen mit Millionen Nutzern, du kennst Code-Reviews und Design-Docs auf einem Niveau, das die meisten Teams nie sehen, und du kannst mit Daten argumentieren statt mit Meinungen. Das ist der Kern deines Vorteils.
Formuliere das in deinem Lebenslauf als Ergebnis, nicht als Tätigkeit. Statt "Verantwortlich für Backend-Systeme" schreibst du: "Entwarf und betrieb einen Dienst für 40 Millionen Anfragen pro Tag, senkte die P99-Latenz um 38 Prozent durch Caching-Schicht und Datenbank-Indexierung." Solche Sätze verkaufen dich in jedem Gespräch, egal ob bei einem Konzern oder einem Startup.
Übersetze Google-spezifische Begriffe ins Außen. "Tech Lead für ein Team von 6" wird zu "technische Führung eines 6-köpfigen Entwicklerteams, Verantwortung für Roadmap und Architektur". "OKR-Owner" wird zu "Ziele und Kennzahlen für das Quartal definiert und 112 Prozent Zielerreichung erreicht". Außenstehende kennen eure internen Titel nicht.
Checkliste für deine Bewerbungsunterlagen
- Lebenslauf auf zwei Seiten kürzen, alles vor 2018 auf eine Zeile pro Rolle verdichten
- Jede Rolle mit mindestens einer Zahl: Nutzer, Umsatz, Teamgröße, Performance-Gewinn
- LinkedIn-Profil mit "Open to Work" für Recruiter sichtbar schalten, nicht öffentlich
- Zeugnisse und letzte Leistungsbeurteilung digital bereitlegen, deutsche Firmen fragen danach
- Drei Referenzpersonen aus Google fragen, bevor der Kontakt abkühlt
- Anschreiben pro Firma anpassen, eine Vorlage für alle ist erkennbar
- Bewerbung durch einen kostenlosen ATS-Check laufen lassen, bevor du abschickst
Der 30-Tage-Plan#
Tag 1 bis 5: Dokumente. Lebenslauf, LinkedIn, Arbeitszeugnis anfragen, Notizen zu deinen Projekten machen, solange du noch Zugriff hast. Speichere alles lokal, nicht auf dem Firmenlaptop.
Tag 6 bis 10: Ziel definieren. Welche Rolle, welche Branche, welches Gehaltsniveau, welche Stadt oder Remote. Schreib das auf, ein Satz pro Punkt. Wer kein Ziel hat, bewirbt sich auf alles und wird nirgendwo genommen.
Tag 11 bis 20: Netzwerk reaktivieren. Zehn Nachrichten pro Woche an ehemalige Kollegen, die jetzt woanders sind. Nicht "suche einen Job", sondern "hast du eine Idee, wer gerade Leute für X sucht". Das bekommt Antworten.
Tag 21 bis 30: Bewerbungen rausschicken, mindestens zwei pro Woche mit passendem Anschreiben. Parallel mindestens zwei Gespräche pro Woche führen, auch mit Firmen, die dich nicht sofort interessieren. Übung im Gespräch ist Teil des Plans.
Verhandeln mit Marke im Rücken#
Hier kommt der Teil, den viele falsch machen: Sie nehmen das erste Angebot, weil sie nach Wochen der Unsicherheit einfach wieder arbeiten wollen. Verständlich, aber teuer. Deine Google-Zeit ist ein Hebel, den du nutzen solltest, bevor er verpufft.
Deine Ausgangsposition ist: Du bist ein Profil, das in Deutschland selten ist, du hast mehrere Gespräche parallel laufen, und du kennst Gehälter aus einem der bestbezahlten Tech-Arbeitgeber der Welt. Nutze das, ohne arrogant zu wirken.
Konkretes Gesprächsskript, wenn das Angebot kommt: "Danke, das freut mich. Meine Vorstellung lag bei [X] plus [Bonus/RSU], basierend auf meinem letzten Stand bei Google und dem, was ich aktuell im Markt sehe. Können wir über die Fixgehälter-Komponente sprechen?" Dann still sein. Die erste Zahl nennt immer der Arbeitgeber.
Zu Gehältern: Was Ex-Google-Leute in Deutschland berichten, streut stark. Junior-Rollen liegen oft im Bereich von 60.000 bis 80.000 Euro Fix, erfahrene Engineers und Product Manager berichten von 90.000 bis 130.000, in Leitungsrollen und bei US-Firmen mit deutschem Standort auch mehr. Das hängt extrem von Stadt, Firma und Verhandlung ab. Prüfe die aktuellen Werte auf einer Gehaltsdatenbank oder bei Kununu, bevor du eine Zahl nennst.
Wenn die Firma beim Fixgehalt nicht weiter kann, verhandle über die anderen Stellschrauben: Zeichnung von Aktien oder virtuellen Anteilen, Einstiegsbonus, Homeoffice-Regelung, Weiterbildungsbudget, zusätzliche Urlaubstage. Alles davon hat einen Wert, und du kannst es in Euro umrechnen.
Eine Warnung: Nicht jede Firma, die dich einstellt, wird dir ein Google-Gehalt zahlen, und das ist in Ordnung. Ein Gehalt, das 15 Prozent unter deinem Google-Niveau liegt, bei 35 Stunden Woche und 30 Urlaubstagen, kann unterm Strich besser sein als das nächste Big-Tech-Grind. Rechne es durch, bevor du dich dagegen entscheidest.
Kostenlose Tools#
- jobrise.io/de/free-ats-checker/
- jobrise.io/de/free-jd-decoder/
- jobrise.io/de/jobs/
- jobrise.io/de/blog/
Häufige Fragen#
Soll ich im Anschreiben erwähnen, dass ich bei Google entlassen wurde?
Ja, aber kurz und sachlich im Kontext deiner Berufserfahrung, nicht als Entschuldigung. Ein Satz wie "bis [Monat] [Jahr] bei Google, Team wurde im Rahmen einer Restrukturierung aufgelöst" nimmt die Frage aus dem Raum. Verschweigen wirkt verschleiernd, dramatisieren wirkt unsicher.
Wie lange habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld nach einer Tech-Kündigung?
In Deutschland hängt das von deiner Anwartschaftszeit ab, grundsätzlich brauchst du in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate versicherungspflichtige Beschäftigung. Melde dich sofort arbeitsuchend, am besten am Tag der Kündigung, nicht erst nach Ablauf der Kündigungsfrist. Die konkrete Höhe und Dauer klärst du mit der Agentur für Arbeit, die Werte variieren individuell.
Sollte ich eine Gehaltsforderung nennen, wenn ich gefragt werde?
Nenne immer eine Spanne mit deiner Wunschzahl am unteren Ende, nie eine feste Zahl. Begründe die Spanne mit deinem letzten Stand und deiner Erfahrung, nicht mit deinem aktuellen Bedarf. Wer zuerst eine Zahl nennt, verliert selten Geld, wenn die Zahl realistisch begründet ist.
Was mache ich, wenn ich nach dem Grund der Entlassung gefragt werde?
Ein Satz, dann weiter: "Restrukturierung, Team wurde aufgelöst, meine Leistungsbeurteilung war positiv." Danach lenkst du sofort auf die Frage, was die neue Firma sucht. Wer mehr als zwei Sätze über die alte Kündigung redet, wirkt, als hätte er sie noch nicht verarbeitet.
Lohnt sich eine Pause zwischen den Jobs nach einem Layoff?
Eine Pause von vier bis acht Wochen schadet deiner Verhandlungsposition kaum und tut vielen nach einer Entlassung gut. Länger als drei Monate wird es schwieriger zu erklären, dann brauchst du eine konkrete Antwort auf die Lücke. Wer sofort anfangen will, verliert meist Geld bei der Verhandlung, also plane bewusst.
Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.