Probezeit in Deutschland 2026: Rechte und Tipps
162 Bewerbungen pro Zusage, Durchschnitt 2026.
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Du hast gerade einen neuen Job angefangen und willst eigentlich nur gut ankommen. Gleichzeitig sitzt da diese kleine Stimme im Kopf: „Was, wenn sie mich in der Probezeit wieder rauswerfen?“ Genau darum geht es hier, klar, praktisch und ohne Juristennebel.
Probezeit in Deutschland 2026: Was du wirklich wissen musst#
Die Probezeit fühlt sich oft wie ein Bewerbungsgespräch an, das plötzlich sechs Monate dauert. Du willst Leistung zeigen, keine blöden Fehler machen und trotzdem nicht komplett auf dem Zahnfleisch laufen.
Die gute Nachricht: Du bist in der Probezeit nicht rechtlos. Die schlechte: Es gelten ein paar Sonderregeln, die du kennen solltest, bevor es unangenehm wird.
In diesem Guide bekommst du einen klaren Überblick zu deinen Rechten, typischen Fallen und den besten Tipps, wie du die Probezeit souverän überstehst.
Was ist die Probezeit überhaupt?#
Die Probezeit ist eine vereinbarte Anfangsphase im Arbeitsverhältnis. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können prüfen, ob es fachlich und menschlich passt.
Wichtig: Eine Probezeit entsteht nicht automatisch. Sie muss im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung stehen.
Typisch sind:
- 3 Monate Probezeit bei einfacheren Tätigkeiten oder Werkstudentenjobs
- 6 Monate Probezeit bei unbefristeten Vollzeitstellen
- Kürzere Probezeiten bei befristeten Verträgen
- Spezielle Regeln bei Ausbildung und öffentlichem Dienst
In vielen Jobs bei Firmen wie Siemens, BMW, SAP, Personio oder Delivery Hero sind 6 Monate Probezeit Standard. Das heißt aber nicht, dass du sechs Monate lang ohne Schutz arbeitest.
Wie lange darf die Probezeit 2026 dauern?#
Die klassische Probezeit darf bis zu 6 Monate dauern, wenn in dieser Zeit die verkürzte Kündigungsfrist nach § 622 BGB gelten soll.
Viele Arbeitsverträge formulieren es ungefähr so:
„Die ersten sechs Monate gelten als Probezeit. Während der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen gekündigt werden.“
Das ist üblich und grundsätzlich erlaubt.
Kann die Probezeit länger als 6 Monate sein?
Praktisch kann ein Arbeitgeber eine längere „Erprobungsphase“ vereinbaren. Aber die besondere kurze Kündigungsfrist gilt nach 6 Monaten normalerweise nicht mehr.
Noch wichtiger: Nach 6 Monaten kann das Kündigungsschutzgesetz greifen, wenn der Betrieb regelmäßig mehr als 10 Mitarbeitende beschäftigt.
Das bedeutet: In einem Unternehmen wie SAP, Siemens, BMW, N26 oder Trade Republic bist du nach 6 Monaten meist deutlich stärker geschützt als in den ersten Monaten.
Kündigung in der Probezeit: Wie schnell kann es gehen?#
Während der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis meistens mit einer Frist von 2 Wochen gekündigt werden.
Das gilt für beide Seiten.
Also:
- Dein Arbeitgeber kann dir mit 2 Wochen Frist kündigen
- Du kannst ebenfalls mit 2 Wochen Frist kündigen
- Die Kündigung muss schriftlich erfolgen
- Eine E-Mail, WhatsApp oder mündliche Aussage reicht nicht
Wenn dein Chef also sagt: „Passt nicht, ab morgen brauchst du nicht mehr kommen“, ist das keine saubere Kündigung. Er kann dich zwar freistellen, aber die Kündigung muss schriftlich kommen.
Muss der Arbeitgeber einen Grund nennen?
In den ersten 6 Monaten muss der Arbeitgeber meist keinen Kündigungsgrund nennen, solange das Kündigungsschutzgesetz noch nicht greift.
Das klingt hart, ist aber der Kern der Probezeit.
Trotzdem gibt es Grenzen. Eine Kündigung darf nicht diskriminierend, sittenwidrig oder willkürlich aus besonders problematischen Gründen sein.
Beispiele, bei denen du genauer hinschauen solltest:
- Kündigung nach Bekanntgabe einer Schwangerschaft
- Kündigung wegen Schwerbehinderung ohne Zustimmung des Integrationsamts
- Kündigung wegen Betriebsratsaktivität
- Kündigung wegen Religion, Herkunft, Geschlecht oder sexueller Identität
- Kündigung als Reaktion auf eine berechtigte Krankmeldung
Wenn du das Gefühl hast, dass so etwas passiert ist, hol dir schnell Beratung. Die Frist für eine Kündigungsschutzklage liegt bei 3 Wochen ab Zugang der Kündigung.
Rechte in der Probezeit: Du hast mehr Schutz, als du denkst#
Viele denken: „Probezeit heißt, ich muss alles schlucken.“ Nein.
Du hast auch in der Probezeit grundlegende Arbeitnehmerrechte.
Dazu gehören:
- Anspruch auf Gehalt
- Anspruch auf Pausen
- Anspruch auf Arbeitszeiterfassung
- Anspruch auf Urlaub
- Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit, nach bestimmten Voraussetzungen
- Schutz vor Diskriminierung
- Datenschutzrechte
- Anspruch auf ein Arbeitszeugnis
Gerade in schnell wachsenden Firmen wie N26, Trade Republic, Delivery Hero oder Personio kann die Einarbeitung hektisch sein. Das bedeutet aber nicht, dass Arbeitszeitregeln egal sind.
Krankheit in der Probezeit: Darfst du krank sein?#
Ja, natürlich darfst du krank sein. Du bist ein Mensch, kein Performance-Dashboard.
Aber Krankheit in der Probezeit ist emotional heikel. Viele haben Angst, direkt einen schlechten Eindruck zu machen.
Rechtlich gilt:
- Melde dich sofort krank, am besten vor Arbeitsbeginn
- Halte dich an die Vorgaben im Arbeitsvertrag
- Reiche die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung korrekt ein
- Kommuniziere knapp, professionell und ohne zu viele Details
- Sag nicht zu viel über Diagnosen
Seit der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ruft der Arbeitgeber die Daten meist digital bei der Krankenkasse ab. Trotzdem musst du dich aktiv krankmelden.
Bekommst du Gehalt, wenn du krank bist?
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bekommst du grundsätzlich erst, wenn dein Arbeitsverhältnis länger als 4 Wochen besteht.
Wenn du also in Woche 2 krank wirst, springt meistens die Krankenkasse mit Krankengeld ein, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind.
Ab Woche 5 gilt normalerweise: Arbeitgeber zahlt bis zu 6 Wochen weiter, wenn du arbeitsunfähig krank bist.
Kann man wegen Krankheit in der Probezeit gekündigt werden?
Ja, eine Kündigung während Krankheit ist nicht automatisch unwirksam. Das überrascht viele.
Aber: Eine Kündigung allein deshalb, weil du einmal kurz krank warst, kann im Einzelfall problematisch wirken, besonders wenn andere Schutzrechte eine Rolle spielen.
Wenn du zum Beispiel nach einem Arbeitsunfall gekündigt wirst oder nach einer Krankmeldung wegen Überlastung, solltest du die Situation prüfen lassen.
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Urlaub in der Probezeit: Darfst du frei nehmen?#
Ja, du baust auch in der Probezeit Urlaub auf.
Der volle gesetzliche Jahresurlaub entsteht zwar erst nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit. Vorher hast du aber einen anteiligen Urlaubsanspruch.
Beispiel:
Du hast laut Vertrag 30 Urlaubstage im Jahr. Dann sammelst du pro Monat 2,5 Urlaubstage.
Nach 3 Monaten hast du also 7,5 Tage aufgebaut. In der Praxis wird oft auf ganze Tage gerundet oder betrieblich geregelt.
Kann der Arbeitgeber Urlaub in der Probezeit ablehnen?
Ja, wenn dringende betriebliche Gründe dagegensprechen. Gerade in der Einarbeitung kann es sein, dass dein Arbeitgeber sagt: „Bitte erst nach dem Onboarding.“
Aber komplett verbieten darf er Urlaub nicht pauschal für die ganze Probezeit, wenn du bereits Anspruch aufgebaut hast.
Am besten sprichst du früh und sauber darüber:
- „Ich würde gern im Mai 3 Tage Urlaub nehmen.“
- „Passt das aus Teamsicht oder gibt es bessere Wochen?“
- „Ich plane es erst fest, wenn es genehmigt ist.“
Das wirkt erwachsen und nicht fordernd.
Gehalt in der Probezeit: Darf es niedriger sein?#
Ja, es kann ein niedrigeres Gehalt in der Probezeit vereinbart werden, wenn das transparent im Vertrag steht und nicht gegen Mindestlohn oder Tarifregeln verstößt.
Typischer ist aber: Das Gehalt bleibt gleich, und nach der Probezeit gibt es vielleicht eine Erhöhung.
Beispiele aus dem Markt 2026:
- Junior Software Developer in Berlin: ca. €48k bis €62k
- HR Generalist bei Personio-ähnlichen Firmen: ca. €45k bis €58k
- Controller bei BMW oder Siemens: ca. €55k bis €75k
- Product Manager bei N26 oder Trade Republic: ca. €65k bis €90k
- SAP Consultant: ca. €60k bis €85k
- Performance Marketing Manager bei Delivery Hero: ca. €50k bis €70k
Wenn dir im Gespräch gesagt wurde „Nach der Probezeit erhöhen wir auf €60k“, dann lass dir das schriftlich geben.
Sonst bleibt es oft bei einem freundlichen Satz im Interview, an den sich später niemand erinnern will.
Gute Formulierung für Verhandlungen
Du kannst nach 3 bis 4 Monaten ein Zwischenfazit anstoßen:
„Ich würde gern kurz Feedback zur bisherigen Zusammenarbeit einholen und auch besprechen, welche Erwartungen bis zum Ende der Probezeit wichtig sind. Falls die Ziele erfüllt sind, würde ich auch gern über die vereinbarte Gehaltsentwicklung sprechen.“
Das klingt professionell und nicht gierig.
Arbeitszeit und Überstunden in der Probezeit#
In der Probezeit wollen viele beweisen, dass sie motiviert sind. Das ist verständlich.
Aber jeden Abend bis 21 Uhr im Büro zu sitzen, ist keine Strategie. Das ist ein Risiko.
Die Regeln zur Arbeitszeit gelten auch in der Probezeit:
- Regelmäßig maximal 8 Stunden pro Werktag
- Verlängerung auf bis zu 10 Stunden möglich, wenn Ausgleich erfolgt
- Ruhezeit von 11 Stunden zwischen Arbeitstagen
- Pausenpflicht bei längeren Arbeitstagen
- Arbeitszeit muss erfasst werden
Wenn dein Team bei SAP, BMW, Siemens oder einem Berliner Fintech hohe Leistung erwartet, ist das okay. Aber Dauerüberlastung ist kein Onboarding.
Solltest du Überstunden machen?
Manchmal ja, aber gezielt.
Gute Überstunden:
- Vor einer wichtigen Deadline
- In den ersten Wochen, um schneller reinzukommen
- Wenn du sie transparent dokumentierst
- Wenn sie wirklich Ausnahme bleiben
Schlechte Überstunden:
- Jeden Tag, weil du Angst hast
- Ohne Anerkennung
- Ohne Ausgleich
- Weil andere schlecht planen
- Weil du beweisen willst, dass du „unkündbar“ bist
Spoiler: Niemand wird unkündbar, weil er sich kaputtarbeitet.
Feedback in der Probezeit: Dein wichtigstes Werkzeug#
Die größte Gefahr in der Probezeit ist nicht, dass du Fehler machst. Die größte Gefahr ist, dass du zu spät erfährst, was andere wirklich denken.
Deshalb brauchst du Feedback, und zwar früh.
Warte nicht bis Monat 5, Woche 3.
Frag aktiv:
- Nach 2 Wochen: „Was läuft aus deiner Sicht gut, was sollte ich anpassen?“
- Nach 30 Tagen: „Bin ich bei den Prioritäten auf dem richtigen Weg?“
- Nach 60 Tagen: „Welche Erwartungen sind bis Ende der Probezeit entscheidend?“
- Nach 90 Tagen: „Gibt es Punkte, die meine Übernahme gefährden könnten?“
- Nach 5 Monaten: „Können wir die Probezeit formal abschließen oder nächste Schritte klären?“
Ja, die letzte Frage kostet Mut. Aber sie ist besser als Rätselraten.
Was du dokumentieren solltest
Mach dir privat Notizen zu wichtigen Gesprächen. Nicht paranoid, einfach ordentlich.
Notiere:
- Datum
- Wer war dabei
- Was wurde vereinbart
- Welche Ziele wurden genannt
- Welches Feedback kam
- Welche Fristen gibt es
Wenn später jemand sagt „Das war anders gemeint“, hast du zumindest deine eigene Chronologie.
Typische Fehler in der Probezeit#
Viele Probezeitprobleme entstehen nicht durch fehlende Kompetenz. Sie entstehen durch Missverständnisse, schlechte Kommunikation oder falsche Prioritäten.
Hier sind die Klassiker.
1. Du willst alles sofort perfekt machen
Du bist neu. Niemand erwartet, dass du in Woche 2 alles weißt.
Schlimmer als Fragen sind falsche Annahmen.
Besser:
- Kurz selbst prüfen
- Eine konkrete Frage stellen
- Entscheidung dokumentieren
- Weitermachen
Formulierung:
„Ich habe mir A und B angeschaut. Ich würde Option B nehmen, weil sie schneller ist. Passt das aus deiner Sicht?“
2. Du unterschätzt die Teamkultur
Manche Firmen wirken locker, sind aber intern sehr politisch. Andere wirken steif, sind aber fair und direkt.
Beobachte in den ersten Wochen:
- Wie werden Entscheidungen getroffen?
- Wer hat wirklich Einfluss?
- Wie direkt ist Feedback?
- Was wird belohnt?
- Was wird nicht offen ausgesprochen?
Bei einem Konzern wie Siemens oder BMW ist die Abstimmung oft formeller. Bei N26, Trade Republic oder Delivery Hero kann es schneller wirken, aber dafür auch sprunghafter.
Passe dich an, ohne dich zu verbiegen.
3. Du redest zu viel über deinen alten Arbeitgeber
Ein bisschen Kontext ist okay. Dauernd „Bei meinem alten Job haben wir das aber so gemacht“ nervt.
Besser:
„Ich kenne aus meinem letzten Team eine ähnliche Lösung. Wenn es hier passt, kann ich sie kurz vorstellen.“
Damit wirkst du hilfreich, nicht besserwisserisch.
4. Du ignorierst Warnsignale
Wenn du keine Einarbeitung bekommst, ständig widersprüchliche Anweisungen hörst und dein Manager nie Zeit hat, liegt das nicht automatisch an dir.
Achte auf rote Flaggen:
- Niemand kann deine Ziele erklären
- Feedback ist nur vage
- Du bekommst Aufgaben ohne Priorität
- Dein Vertrag weicht vom Besprochenen ab
- Überstunden sind „normal“
- Kollegen wechseln ständig
- Krankheit wird abwertend kommentiert
Wenn drei oder mehr Punkte zutreffen, solltest du parallel den Markt beobachten.
Probezeit bestanden: Gibt es eine Bestätigung?#
Viele erwarten am Ende ein offizielles Gespräch. In manchen Firmen passiert das, in anderen läuft die Probezeit einfach aus.
Wenn nach 6 Monaten nichts passiert und du weiterarbeitest, läuft dein Arbeitsverhältnis normal weiter.
Trotzdem ist ein Abschlussgespräch sinnvoll.
Du kannst schreiben:
„Hi Anna, meine Probezeit endet Ende Juni. Können wir kurz ein Feedbackgespräch einplanen und die nächsten Ziele abstimmen?“
Das ist souverän und zeigt, dass du Verantwortung übernimmst.
Was nach der Probezeit anders ist
Nach der Probezeit ändern sich meistens drei Dinge:
- Die Kündigungsfrist wird länger
- Das Kündigungsschutzgesetz kann greifen
- Du fühlst dich hoffentlich sicherer im Job
Je nach Vertrag kann die Kündigungsfrist nach der Probezeit zum Beispiel 4 Wochen zum 15. oder Monatsende betragen. Bei längerer Betriebszugehörigkeit verlängern sich Fristen für den Arbeitgeber.
Probezeit bei befristeten Verträgen#
Bei befristeten Jobs ist die Probezeit besonders spannend.
Eine Befristung endet automatisch zum vereinbarten Datum. Eine ordentliche Kündigung während der Befristung ist aber nur möglich, wenn sie im Vertrag oder Tarifvertrag vorgesehen ist.
Das heißt:
Wenn du einen befristeten Vertrag für 12 Monate hast und keine Kündigungsmöglichkeit vereinbart wurde, kann es komplizierter werden, vorher ordentlich zu kündigen.
Prüfe deshalb:
- Gibt es eine Probezeit?
- Gibt es eine Kündigungsfrist?
- Ist ordentliche Kündigung ausdrücklich erlaubt?
- Gibt es Tarifregeln?
- Was passiert nach Ende der Befristung?
Gerade bei Projektrollen, Elternzeitvertretungen oder Jobs im öffentlichen Dienst lohnt sich ein genauer Blick.
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Probezeit in der Ausbildung#
Bei Ausbildungen gelten andere Regeln.
Die Probezeit muss mindestens 1 Monat und darf höchstens 4 Monate dauern.
Während der Probezeit kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden.
Das ist deutlich strenger als bei normalen Arbeitsverhältnissen.
Nach der Probezeit ist eine Kündigung durch den Ausbildungsbetrieb viel schwieriger. Der Azubi kann nach der Probezeit mit 4 Wochen Frist kündigen, wenn er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Tätigkeit ausbilden lassen will.
Wenn du 2026 eine Ausbildung startest, schau dir den Vertrag wirklich genau an. Gerade junge Leute unterschreiben oft zu schnell, weil sie froh sind, überhaupt eine Stelle zu haben.
Schwangerschaft, Elternzeit und Schwerbehinderung in der Probezeit#
Hier gelten besondere Schutzregeln.
Schwangerschaft
Schwangere Arbeitnehmerinnen haben auch in der Probezeit besonderen Kündigungsschutz.
Wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß oder innerhalb bestimmter Fristen informiert wird, ist eine Kündigung in der Regel unzulässig. Es gibt wenige Ausnahmen, die behördlich genehmigt werden müssen.
Wenn du schwanger bist und eine Kündigung bekommst, handle sofort. Hier laufen Fristen.
Elternzeit
Auch rund um Elternzeit gibt es besonderen Kündigungsschutz. Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wann Elternzeit verlangt wird und für welchen Zeitraum.
Wichtig ist: Nicht einfach mündlich ankündigen und hoffen, dass es reicht. Formalien sind hier entscheidend.
Schwerbehinderung
Bei schwerbehinderten Menschen braucht der Arbeitgeber für eine Kündigung oft die Zustimmung des Integrationsamts. In den ersten 6 Monaten ist der Schutz allerdings eingeschränkt, trotzdem gibt es Meldepflichten und spezielle Regeln.
Wenn du betroffen bist, hol dir Beratung, zum Beispiel über die Schwerbehindertenvertretung, den Betriebsrat oder eine Fachstelle.
Was tun, wenn du in der Probezeit gekündigt wirst?#
Erstmal: Atmen. Eine Probezeitkündigung fühlt sich persönlich an, ist aber kein Lebensurteil.
Dann geh strukturiert vor.
Schritt 1: Zugang der Kündigung prüfen
Wichtig ist, wann du die schriftliche Kündigung erhalten hast.
Die 3-Wochen-Frist für eine mögliche Klage beginnt mit Zugang. Nicht mit dem Datum auf dem Brief.
Schritt 2: Frist prüfen
Steht im Vertrag 2 Wochen Kündigungsfrist? Wurde sie eingehalten?
Wenn nicht, kann die Kündigung zumindest beim Enddatum falsch sein.
Schritt 3: Sonderkündigungsschutz prüfen
Bist du schwanger, schwerbehindert, in Elternzeitnähe oder Betriebsratsmitglied? Gab es Diskriminierung?
Dann sofort Beratung holen.
Schritt 4: Arbeitszeugnis verlangen
Du hast Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Auch nach kurzer Zeit.
Bei sehr kurzer Beschäftigung kann es ein einfaches Zeugnis sein. Nach mehreren Monaten ist oft ein qualifiziertes Zeugnis sinnvoll.
Schritt 5: Bei der Agentur für Arbeit melden
Melde dich schnell arbeitssuchend oder arbeitslos, je nach Situation. Sonst riskierst du Sperrzeiten oder Nachteile.
Schritt 6: Story für Bewerbungen bauen
Du musst nicht dramatisch werden.
Gute Formulierungen:
- „Die Rolle hat sich inhaltlich anders entwickelt als im Prozess besprochen.“
- „Wir haben in der Probezeit festgestellt, dass die Erwartungen nicht ideal zusammenpassen.“
- „Ich suche jetzt eine Rolle, in der ich meine Stärken in X und Y gezielter einbringen kann.“
Nicht gut:
- „Mein Chef war unfähig.“
- „Die Firma war toxisch.“
- „Ich wurde unfair rausgeworfen.“
- „Keine Ahnung, warum.“
Auch wenn es stimmt: Im Interview brauchst du Kontrolle über die Geschichte.
Wenn du selbst in der Probezeit kündigen willst#
Auch das passiert. Manchmal merkst du nach 4 Wochen: falscher Job, falsches Team, falsche Versprechen.
Du darfst gehen.
Prüfe erst:
- Kündigungsfrist
- Bonus oder Rückzahlungsklauseln
- Urlaubstage
- Arbeitszeugnis
- Timing mit neuem Vertrag
- Sperrzeitrisiko beim Arbeitslosengeld
Wenn du noch keinen neuen Job hast, sei vorsichtig. Eine Eigenkündigung kann beim Arbeitslosengeld zu einer Sperrzeit führen, wenn kein wichtiger Grund vorliegt.
Kündigung professionell formulieren
Kurz reicht:
„Hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis ordentlich und fristgerecht zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätigen Sie mir das Beendigungsdatum schriftlich und stellen Sie mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aus.“
Mehr muss nicht rein.
Keine langen Erklärungen. Kein emotionaler Roman. Kein „Leider muss ich Ihnen mitteilen“.
30, 60, 90 Tage Plan für deine Probezeit#
Wenn du deine Probezeit aktiv steuern willst, brauchst du einen Plan. Nicht kompliziert, aber klar.
Die ersten 30 Tage: Verstehen
Ziel: Ankommen, zuhören, Prioritäten verstehen.
Mach das:
- Lerne Produkte, Prozesse und Menschen kennen
- Kläre deine wichtigsten Aufgaben
- Frag nach Erfolgskriterien
- Verstehe die Teamrituale
- Erstelle eine Liste offener Fragen
- Bitte um erstes Feedback
Nicht machen:
- Alles sofort kritisieren
- Große Reformen ankündigen
- Dich mit Politik verheddern
- Überstunden als Standard setzen
Tage 31 bis 60: Liefern
Ziel: Erste sichtbare Ergebnisse.
Mach das:
- Übernimm klare Aufgabenpakete
- Kommuniziere Fortschritt
- Zeige Verlässlichkeit
- Frag nach Feedback zu Qualität und Tempo
- Baue Beziehungen zu Schnittstellen auf
Guter Satz:
„Ich arbeite gerade an X. Ziel ist Y bis Freitag. Falls sich die Priorität geändert hat, sag bitte kurz Bescheid.“
Tage 61 bis 90: Positionieren
Ziel: Du wirst als fester Teil des Teams wahrgenommen.
Mach das:
- Bringe eigene Vorschläge ein
- Übernimm Verantwortung für wiederkehrende Themen
- Kläre Erwartungen bis Monat 6
- Vereinbare ein offizielles Feedbackgespräch
- Sprich Entwicklung und Gehalt an, wenn es passt
Monate 4 bis 6: Absichern
Ziel: Keine Überraschungen kurz vor Schluss.
Mach das:
- Frage nach verbleibenden Lücken
- Dokumentiere erreichte Ziele
- Hol Feedback von Stakeholdern ein
- Kläre das Ende der Probezeit
- Plane nächste Ziele nach der Probezeit
Checkliste: Deine Rechte in der Probezeit 2026#
Speicher dir diese Liste ruhig ab.
- Probezeit muss vereinbart sein
- Maximal 6 Monate für die typische kurze Kündigungsfrist
- Kündigungsfrist meist 2 Wochen
- Kündigung muss schriftlich erfolgen
- E-Mail oder WhatsApp reichen nicht
- Urlaub entsteht anteilig
- Krankheit ist erlaubt
- Entgeltfortzahlung meist erst nach 4 Wochen
- Arbeitszeitregeln gelten voll
- Mindestlohn gilt auch in der Probezeit
- Diskriminierung ist verboten
- Sonderkündigungsschutz kann gelten
- Arbeitszeugnis steht dir zu
- Klagefrist bei Kündigung: 3 Wochen
- Nach 6 Monaten kann stärkerer Kündigungsschutz greifen
Was Arbeitgeber in der Probezeit wirklich beobachten#
Es geht nicht nur darum, ob du fachlich gut bist.
Viele Manager achten auf diese Punkte:
- Lernkurve
- Zuverlässigkeit
- Kommunikation
- Umgang mit Feedback
- Priorisierung
- Teamfit
- Selbstständigkeit
- Fehlerkultur
- Energielevel
- Professionalität unter Stress
Wenn du fachlich noch nicht alles kannst, ist das okay. Wenn du aber unzuverlässig, abwehrend oder chaotisch wirkst, wird es schwer.
Ein Senior Manager bei Siemens oder BMW wird andere Prozesse erwarten als ein Startup Lead bei Trade Republic oder Delivery Hero. Aber Verlässlichkeit schlägt überall.
Mini-Skripte für schwierige Situationen#
Wenn du negatives Feedback bekommst
„Danke für die Offenheit. Ich will das konkret verbessern. Welche zwei Punkte haben aus deiner Sicht die höchste Priorität?“
Wenn du zu viele Aufgaben bekommst
„Ich habe gerade A, B und C parallel. Was soll diese Woche Priorität 1 sein, falls nicht alles gleichzeitig geht?“
Wenn du keine Einarbeitung bekommst
„Damit ich schneller produktiv werde, würde ich gern die wichtigsten Prozesse und Ansprechpartner klären. Können wir dafür 30 Minuten einplanen?“
Wenn du Angst vor Kündigung hast
„Ich möchte offen fragen: Gibt es aktuell Punkte, die meine Probezeit gefährden könnten? Falls ja, würde ich sie gern konkret angehen.“
Wenn dir eine Gehaltserhöhung versprochen wurde
„Im Bewerbungsprozess hatten wir über eine Anpassung nach erfolgreicher Probezeit gesprochen. Können wir gemeinsam prüfen, welche Ziele dafür erfüllt sein müssen?“
Fazit: Probezeit ist Prüfung, aber nicht Panikmodus#
Die Probezeit ist keine Zeit, in der du unsichtbar leiden musst. Sie ist eine Phase, in der beide Seiten prüfen, ob es passt.
Du solltest deine Rechte kennen, sauber kommunizieren und früh Feedback einholen. Gleichzeitig darfst du ehrlich prüfen, ob der Job zu dir passt.
Wenn du in einem Konzern wie SAP, BMW oder Siemens startest, geht es oft um Struktur, Abstimmung und Geduld. Wenn du bei N26, Trade Republic, Personio oder Delivery Hero anfängst, zählen oft Tempo, Eigenständigkeit und klare Kommunikation.
In beiden Welten gilt: Warte nicht passiv ab. Steuere deine Probezeit aktiv.
Und falls du merkst, dass dein aktueller Job doch nicht passt oder du dich parallel absichern willst, mach zuerst deinen Lebenslauf sauber. Teste kostenlos, ob dein CV durch Bewerbermanagementsysteme kommt, mit dem ATS Checker von JobRise: https://jobrise.io/de/free-ats-checker/
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