In der Probezeit kündigen für einen neuen Job: so geht es
162 Bewerbungen pro Zusage, Durchschnitt 2026.
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Du sitzt in deinem neuen Job und merkst schon nach wenigen Wochen: Das passt nicht. Gleichzeitig winkt ein besseres Angebot. Jetzt musst du dich zwischen falscher Loyalität und einem hektischen Wechsel entscheiden. Keine einfache Lage. Aber mit einem klaren Plan lässt sich das sauber und ohne größere Schäden umsetzen.
Die Probezeit ist ein beidseitiges Testfeld#
Die Probezeit, meist die ersten sechs Monate, dient beiden Seiten. Du prüfst, ob die Aufgaben, das Team und die Kultur zu dir passen. Der Arbeitgeber schaut, ob du ins Team passt und die Anforderungen erfüllst. Das Arbeitsrecht sieht das pragmatisch. Es gibt kein Pflichtgefühl, in einer schlechten Umgebung zu bleiben, nur weil man erst angefangen hat.
Kündigungsfristen: was das Gesetz sagt#
Das ist der wichtigste Punkt. Die Kündigungsfrist während der Probezeit ist im Gesetz klar geregelt. Nach § 622 Abs. 3 BGB gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen. Diese Frist ist nicht an einen bestimmten Stichtag gebunden. Du kannst also theoretisch mitten in der Woche kündigen, und die zwei Wochen beginnen am Folgetag.
Das Gesetz erlaubt aber Abweichungen. Dein Arbeits- oder Tarifvertrag kann eine andere Frist festlegen. Manchmal steht dort eine Woche, manchmal auch vier. Deshalb ist der erste Schritt immer: Vertrag lesen.
- Lies deinen Arbeitsvertrag. Suche nach dem Abschnitt "Kündigung", "Beendigung" oder "Probezeit".
- Prüfe, ob ein Tarifvertrag auf dich zwingend anwendbar ist. Steht eine Klausel im Arbeitsvertrag, die auf einen Tarifvertrag verweist? Dann gelten oft andere Fristen.
- Wenn du unsicher bist, ruf bei der zuständigen Gewerkschaft oder einer Arbeitsrechtsberatung an. Eine kurze Anfrage kostet oft nichts.
So vermeidest du eine Lücke im Lebenslauf#
Der größte Horror für viele: eine Lücke. Aber eine Lücke von wenigen Wochen ist kein Weltuntergang. Wichtiger ist, dass du den Wechsel strategisch planst. Das Ziel ist ein nahtloser Übergang.
Die einfachste Lösung: Du kündigst erst, wenn der neue Arbeitsvertrag unterschrieben ist. Steht dort ein konkretes Startdatum? Gut. Jetzt rechnest du deine Kündigungsfrist aus. Der letzte Tag deines alten Jobs sollte idealerweise ein oder zwei Tage vor dem ersten Tag des neuen Jobs liegen.
Ein konkretes Beispiel: Du hast am 15. Mai eine Zusage. Dein neuer Job beginnt am 1. August. Deine Kündigungsfrist beträgt zwei Wochen. Du kündigst also am 17. Juli (per Post oder persönlich). Die Frist läuft dann vom 18. bis 31. Juli. Du hast also am 1. August frei und beginnst nahtlos. Wenn du mehr Puffer brauchst, zum Beispiel für einen Umzug, kannst du auch früher kündigen. Aber dann hast du ein paar Tage ohne Beschäftigung. Das ist okay, wenn du es begründen kannst.
Das Kündigungsschreiben: kurz und sachlich#
Das Schreiben muss nicht mehr enthalten als das Nötigste. Keine langen Erklärungen, keine Vorwürfe. Das schützt dich und hält die Sache professionell.
Ein Muster könnte so aussehen:
Max Mustermann Musterstraße 1 12345 Musterstadt
Firma GmbH Personalabteilung Beispielstraße 2 54321 Beispielstadt
Musterstadt, den 17. Juli 2026
Kündigung meines Arbeitsverhältnisses
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich das zwischen uns bestehende Arbeitsverhältnis vom [Datum des Vertragsbeginns] ordentlich und fristgerecht zum [letzter Tag der Frist, z.B. 31. Juli 2026].
Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieser Kündigung sowie das Beendigungsdatum schriftlich.
Für die gemeinsame Zeit bedanke ich mich.
Mit freundlichen Grüßen
[Unterschrift]
Gib das Schreiben persönlich ab oder sende es per Einschreiben mit Rückschein. Eine E-Mail reicht nicht aus, auch wenn manche Arbeitgeber das akzeptieren. Du brauchst einen Nachweis.
Wie du den Wechsel im nächsten Gespräch erklärst#
Das ist die zweite Hürde. Du sitzt im Vorstellungsgespräch, und die Frage kommt: "Warum haben Sie Ihren letzten Job so schnell wieder verlassen?" Hier gibt es keine perfekte Antwort, aber eine gute Strategie: Ehrlichkeit ohne schlechtes Reden.
Bleib sachlich. Konzentrier dich auf die positiven Gründe für den neuen Job, nicht auf die negativen des alten. Ein paar Formulierungen, die funktionieren können:
- "In den ersten Wochen wurde deutlich, dass die ausgeschriebene Rolle sich stark von den tatsächlichen Aufgaben unterschied. Ich möchte meine Energie in eine Position investieren, die zu meinen Stärken passt, und sehe das hier bei Ihnen."
- "Die Unternehmenskultur und die Zusammenarbeit im Team haben nicht zu meinen Erwartungen gepasst. Für mich ist eine konstruktive Arbeitsatmosphäre wichtig, deshalb habe ich frühzeitig die Entscheidung getroffen, mich nach einer besseren Umgebung umzuschauen."
- "Ich habe ein spannendes Angebot bekommen, das besser zu meinen langfristigen Zielen passt. In der Probezeit habe ich die Chance genutzt, das für mich zu prüfen."
Vermeide es, über deinen alten Chef zu lästern. Das wirft immer ein schlechtes Licht auf dich. Der neue Arbeitgeber will wissen, dass du reflektiert bist und Verantwortung übernimmst. Zeig das.
Checkliste für den Wechsel in der Probezeit#
- Arbeitsvertrag auf Kündigungsfrist prüfen.
- Neuen Arbeitsvertrag mit unterschriebenem Startdatum in der Tasche haben.
- Kündigungsschreiben aufsetzen, sachlich und korrekt.
- Kündigung rechtzeitig zustellen, am besten persönlich mit Quittung oder per Einschreiben.
- Bestätigung des Beendigungsdatums vom alten Arbeitgeber anfordern.
- Urlaubsansprüche und Überstunden klären und ggf. auszahlen lassen.
- Übergabe planen und Dokumente, die dir gehören, sichern.
- Krankenversicherung und andere Versicherungen über den Wechsel informieren.
- Beim alten Arbeitgeber ein qualifiziertes Arbeitszeugnis anfordern.
Wenn du dir unsicher bist, ob dein aktueller Job wirklich das Falsche ist, oder ob du einfach nur Anlaufschwierigkeiten hast, kann ein Blick auf unsere Tipps zur Joborientierung helfen. Und wenn du bereit bist, dich neu zu bewerben, schau dir unsere offenen Stellen an. Für die Analyse deines Lebenslaufs gibt es unseren kostenlosen ATS-Checker, und wenn du eine Stellenbeschreibung nicht ganz verstehst, hilft unser JD Decoder.
Häufige Fragen#
Darf ich in der Probezeit ohne Angabe von Gründen kündigen?
Ja. Während der Probezeit gilt das beidseitige Recht zur ordentlichen Kündigung ohne Angabe von Gründen. Du musst lediglich die vertraglich oder gesetzlich festgelegte Kündigungsfrist einhalten, die oft zwei Wochen beträgt.
Was passiert mit meinem Resturlaub bei einer Kündigung in der Probezeit?
Du hast Anspruch auf den anteiligen Urlaub für die gearbeiteten Monate. Wird das Arbeitsverhältnis vorzeitig beendet, muss der Arbeitgeber den nicht genommenen Urlaub finanziell abgelten. Das regelt das Bundesurlaubsgesetz.
Muss ich meinem alten Arbeitgeber sagen, wohin ich wechsle?
Nein. Du bist nicht verpflichtet, deinen neuen Arbeitgeber oder den Grund für die Kündigung zu nennen. Ein einfaches, schriftliches Kündigungsschreiben mit Datum und Unterschrift genügt rechtlich.
Wie wirkt sich eine Kündigung in der Probezeit auf mein Arbeitslosengeld aus?
Wenn du selbst kündigst, kann in der Regel eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld verhängt werden. Es sei denn, du hast einen wichtigen Grund für die Kündigung. Informiere dich vorab bei der Arbeitsagentur über die aktuellen Regelungen.
Ist eine Kündigung per E-Mail oder WhatsApp rechtsgültig?
Nein. Für eine wirksame Kündigung ist die Schriftform auf Papier mit eigenhändiger Unterschrift vorgeschrieben. Eine Kündigung per E-Mail, Fax oder Messenger ist unwirksam und führt dazu, dass das Arbeitsverhältnis weiterläuft.
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Schick das der Person, die diese Woche das Interview hat.
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